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| Bamberger Skeptiker » Events |
EventsErklärungsansätze für paranormale Überzeugungen:
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Kurze Zusammenfassung des Vortrags Bianka Weschke, die eine Diplomarbeit zum Thema "Erklärungsansätze für den Glauben an paranormale und esoterische Überzeugungen" am Lehrstuhl Psychologie I der Uni Bamberg abgegeben hatte, berichtete kurz von ihren Ergebnissen. Anschließend bestand die Möglichkeit zur Diskussion bzw. zum Nachfragen. |
| Zusammenfassung der Diplomarbeit Ansätze, die die Entstehung paranormaler und esoterischer Überzeugungen erklären Ansätze zur Entstehung esoterischer und paranormaler Überzeugungen
setzen sich mit Prozessen der Informationsaufnahme auseinander, die dazu
führen, dass man eine neue Sicht von bestimmten Sachverhalten entwickelt.
Zwei Wege sind möglich: subjektive Eigenerfahrung (d.h. der Betreffende
erfährt durch sein Verhalten selbst bestimmte Sachverhalte) und Informationsvermittlung
über kommunikative Prozesse, wobei unsere Mitmenschen und die Massenmedien
eine entscheidende Rolle spielen. Bei den Ansätzen, die die subjektive
Eigenerfahrung bei der Entstehung abergläubiger, paranormaler und
esoterischer Überzeugungen betonen, sind vor allem Ansätze zur
Wahrnehmungstäuschung, zur Rolle veränderter Bewusstseinszustände
und der Überbewertung zufälliger Koinzidenzen zu nennen. Unsere Wahrnehmung ist in starkem Maße von individuumsbezogenen
Merkmalen (Vorerfahrung/-wissen, Erwartungen) abhängig. Die Eindrücke,
die wir über unsere Sinnesorgane wahrnehmen, sind keine 1:1-Abbildung
der externen Reizumwelt, sondern stark durch unsere Erwartungen und unser
Vorwissen bestimmt. Nicht selten verschmilzt die Erwartung mit dem Wahrnehmungsgegenstand,
wodurch es zu Wahrnehmungstäuschungen (Illusionen) kommt. Es ist
anzunehmen, dass verschiedene subjektiv paranormale Eigenerlebnisse -
wie UFO-Sichtungen, Geisterscheinungen, diverse spiritistische Phänomene
(schwebende Gegenstände, Tonbandstimmen, raps, ...), sowie die Sichtung
von außergewöhnlichen Lebensformen (Nessi, Yeti, ...) - das
Ergebnis von Illusionen oder Halluzinationen sind. Illusionen werden (wie
bereits erwähnt) in der Regel durch eine starke Erwartungshaltung
beim Individuum hervorgerufen, wobei suggestive Prozesse (Fremd- oder
Eigensuggestion) eine bedeutende Rolle spielen. Starke Erwartungshaltungen
können bedingen, dass der Betreffende das vorliegende Ereignis im
Lichte der Erwartung wahrnimmt und interpretiert (damit eventuell verkennt).
Verstärkend wirken sich selektive Vergessensprozesse aus. Hat man
ein Ereignis in eine bestimmte Kategorie eingeordnet (verbales Label),
werden leicht die Merkmale vergessen, die mit der Kategorie inkonsistent
sind. Externe Faktoren des Wahrnehmungsprozesses, wie schlechte Sichtverhältnisse
(Dunkelheit, große Entfernung des Wahrnehmungsgegenstandes), und
Faktoren auf Seiten des Individuums, wie Ermüdung, geringe Konzentration/Aufmerksamkeit
oder eine starke Erwartungshaltung, und bestimmte Persönlichkeitsmerkmale
wie hohe Suggestibilität, eine starke Autoritätshörigkeit
(verbunden mit stärkerer sozialer Beeinflussbarkeit), eine geringe
Ambiguitätstoleranz, die Neigung, vorschnell etwas in Situationen
hineinzuinterpretieren, und eine stark ausgeprägte visuelle Vorstellungskraft
wirken sich positiv auf das Entstehen von Illusionen aus. Viele Vertreter paranormaler und esoterischer Anschauungen sehen veränderte
Bewusstseinszustände als "Zugangstor" für das Erleben
außergewöhnlicher Erfahrungen, die wiederum bestimmte paranormale
Überzeugungen (z.B. Reinkarnationshypothese) stützen sollen.
Oft fehlen dabei Hinweise auf stattfindende physiologische Veränderungen,
die selbige Eindrücke auf natürlichem Weg erklären. Neurologen
haben in den letzten beiden Jahrzehnten besonders die Bedeutung instabiler
Temporallappenaktivität bei der Entstehung veränderter Bewusstseinszustände
hervorgehoben. Die Häufigkeit, in der Menschen ohne eigenes Zutun
veränderte Bewusstseinszustände erleben, scheint dabei von der
genetisch bedingten Disposition zur Instabilität der Temporallappenaktivität
abhängig zu sein. Das Kontinuum kann dabei von relativ stabiler Temporallappenaktivität
über geringe, kaum merkliche Ausprägung von Temporallappeninstabilität
bis hin zum Auftreten epileptischer Anfälle reichen. Neben diesen
genetischen Faktoren spielen biochemische Faktoren, wie Sauerstoff- oder
Vitamin B-Mangel (z.B. durch eine Krankheit oder einen Unfall) eine Rolle.
Eine aktive, bewusst herbeigeführte Veränderung der Temporallappenaktivität
ist durch bewusstseinsverändernde Techniken wie Meditation, Hypnose,
Hyperventilation oder die Einnahme psychotroper Substanzen möglich.
Besonders bei der Meditation spielt dabei die Fähigkeit, sich auf
interne Veränderungen und Vorstellungsbilder (verbunden mit der Fähigkeit
zu phantasieren) konzentrieren zu können, eine entscheidende Rolle.
Gesteigerte Temporallappenaktivität kann über ein gesteigertes
Gefühl der Vertrautheit und Bedeutungshaftigkeit zu déjà-vu-Erlebnissen,
sowie zu außerkörperlichen Erfahrungen, Nahtoderlebnissen und
einem Schwinden der Ich-Grenze führen. Nahtod-Erlebnisse und außerkörperliche
Erfahrungen werden von vielen ohne Berücksichtigung alternativer
Erklärungsmöglichkeiten als Beweis für die Reinkarnationshypothese
gedeutet. Das Schwinden der Ich-Grenze durch meditative Praktiken dient
Vertretern esoterischer Überzeugungen zum Erleben und Veranschaulichen
eines "kosmischen Bewusstseins". Sind bedeutsame Lebensbereiche subjektiv unkontrollierbar (Verlust der
Arbeit, Abweisung durch einen geliebten Menschen, finanzielle Engpässe,...),
kann ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen, das als sehr unangenehm
empfunden wird und zur Behebung des Zustandes drängt. Neben dem Rückgriff
auf adäquate Problemlösetechniken kann es zur Hinwendung zu
verschiedenen magisch-abergläubigen Praktiken, dem Gang zum Astrologen
oder Wahrsager kommen. Das vermittelte Handlungswissen kann das subjektive
Gefühl der Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit steigern, auch
wenn es illusionär ist. Das Bedürfnis nach Bestimmtheit hat
großen Einfluss auf unsere Informationsverarbeitung. Um ein Gefühl
von Kontrolle (das sehr wichtig für unser psychisches Wohlbefinden
ist) aufrechtzuhalten, werden oft zufällige Prozesse verneint und
mehr in Situationen hineininterpretiert, als objektiv gegeben ist. Nicht
selten kommt es dadurch zu einer Überbewertung zufälliger Koinzidenzen
(z.B. zufällige Ähnlichkeit eines bestimmten Ereignisses mit
einem früheren Traum), was dann möglicherweise zum Glauben an
prophetische Träume, astrologische Zukunftsvorhersagen und andere
mysteriöse Prophezeiungen führt. Unterstützt wird dieser
Prozess durch selektive Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Vergessensprozesse
sowie durch den eventuell einsetzenden Mechanismus der "sich-selbst-erfüllenden"
Prophezeiung. Als Persönlichkeitsmerkmal, das diese Neigung unterstützt,
ist eine geringe Ambiguitätstoleranz (welche in etwa mit dem individuellen
Bedürfnis nach Bestimmtheit gleichzusetzen ist) zu nennen. Neben der subjektiven Eigenerfahrung spielt die kommunikative Informationsvermittlung
bei der Entstehung verschiedener Überzeugungen eine entscheidende
Rolle. Gespräche mit Eltern, Freunden, Klassenkameraden und anderen
Mitmenschen, sowie Berichte über angeblich paranormale Erscheinungen
aus den Medien regen zur Beschäftigung mit der Thematik an. Ausschlaggebend
für die Bewertung und den Einfluss fremder Meinungen sind die dem
Kommunikator zugeschriebene Kompetenz und Faktoren wie Sympathie und Vertrauen.
Zu Verzerrungen kommt es unter anderem dadurch, dass eindrucksvollen,
persönlichen Einzelerlebnissen mehr Bedeutung geschenkt wird, als
ihnen objektiv zukommt. Nicht selten werden diese Erlebnisse stark vereinfacht
wiedergegeben, wobei kritische Momente, die eventuell Hinweis auf alternative
Erklärungsmöglichkeiten geben könnten, ungenannt bleiben.
Vor allem die Massenmedien führen durch ihre sehr einseitige Darstellung
paranormaler und esoterischer Inhalte zu Urteilsverzerrungen. Mystische
Phänomene bringen aufgrund ihres Sensationswertes hohe Einschaltquoten
und werden deshalb besonders gern gesendet. Nicht selten geschieht dies
(vor allem bei Privatsendern) in einem dokumentationsartigen Stil, der
bei den Zuschauern den Eindruck erweckt, es handle sich um Fakten. Der
Verweis auf kritische Aspekte und Alternativerklärungen fehlt dagegen
oft. Diese Art der Präsentation kann beim Zuschauer den Glaube an
esoterische und paranormale Überzeugungen stärken, da bei vielen
die Auffassung vorherrscht, dass die Medien so etwas nicht bringen würden,
wenn nicht ein Fünktchen Wahrheit dahinterstecken würde. Es
ist zu vermuten, dass Individuen, die ein geringeres Selbstvertrauen haben,
stärker von der Akzeptanz anderer abhängig sind und stärker
auf Autoritäten hören, eher durch fremde Meinungen beeinflusst
werden. Positiv bei der effektiven Bewertung von Informationen dürften
sich hingegen kritisches Denkvermögen und in begrenztem Maß
Kenntnisse zur wissenschaftlichen Hypothesentestung auswirken. Dissonanztheoretische Überlegungen Damit ein Individuum bestimmte Glaubensinhalte und damit verbundene Verhaltensweisen beibehält, muss durch diese ein subjektiver Gewinn (Bedürfnisbefriedigung) erfolgen. Im Falle der paranormalen und esoterischen Überzeugungen könnte dies beispielsweise die Vermittlung sicherheitsspendender Erklärungen sein. Wie vielfach erwähnt wurde, haben Menschen ein starkes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit. Feste Wissensbestände, die unter anderem Vermutungen über Zusammenhänge zwischen Variablen enthalten, sollen Ereignisse vorhersehbar und das eigene Verhalten planbar machen, damit man keine unangenehmen Überraschungen erlebt. Ansätze wie die Biorhythmustheorie, die dem Menschen kritische Tage aufzeigen und damit ein Gefühl der Kontrollierbarkeit verschaffen wollen, befriedigen dieses Bedürfnis nach Bestimmtheit und werden aus diesem Grund auch weniger kritisch auf ihre logische Stimmigkeit und empirische Fundierung hinterfragt. Eng im Zusammenhang mit diesen Überlegungen steht der dissonanztheoretische Ansatz. Die Konfrontation mit Informationen, die den eigenen Anschauungen widersprechen beziehungsweise diese widerlegen, scheint besonders bei Paragläubigen starke Dissonanz zu erzeugen (W.H. Jones & D.W. Russel, 1980). Um die alte Überzeugung nicht aufgeben (Verlust des subjektiven Gewinns, z.B. Gruppenzugehörigkeit) und sich nicht mit der eigenen Leichtgläubigkeit auseinandersetzen zu müssen, führt die entstandene Dissonanz nicht selten zur selektiven Informationsverarbeitung. Es werden bewusst Informationen gesucht, die die eigene Anschauung stützen (Versuch der Verifikation), Informationen jedoch gemieden, abgewertet oder vergessen, wenn sie der eigenen Anschauung widersprechen. Dissonanzreduzierend wirkt beispielsweise auch der Gedanke, dass viele andere ebenfalls an die entsprechenden Überzeugungen glauben. Als individuelle Disposition für die fehlende Fähigkeit, widerlegende Information adäquat zu verarbeiten, kann Dogmatismus, Konservatismus und eine geringe Ambiguitätstoleranz genannt werden. Die Rolle sozialer Vergleichsprozesse Die Akzeptanz der eigenen Anschauungen durch andere ist eine sehr wichtige aufrechterhaltende Bedingung. Das Eingebundensein in eine Gruppe "Gleichdenkender" vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit und verschafft den Betreffenden eine "soziale Identität". Man muss sich jedoch bewusst machen, dass dieser soziale Gewinn Einfluss auf unsere Informationsverarbeitung hat. Aus Angst, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden, entsteht ein Druck zur Konformität mit der "Gruppenmeinung". Die Anschauungen der "Gegengruppen" werden oft von vornherein abgewertet und nicht in die Urteilsbildung mit einbezogen. Persönlichkeitsmerkmale, die derartige Tendenzen fördern, sind Dogmatismus und eine geringe Ambiguitätstoleranz. Im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach sozialer Verifikation (sozialem Vergleich) steht die Tendenz zur Plausibilität durch Anhäufung. Je öfter man positive, anscheinend verifizierende Berichte über einen bestimmten Sachverhalt hört, umso eher glaubt man an das entsprechende Phänomen (z.B. Geistheilungen auf den Philippinen oder angebliche UFO-Sichtungen). Bei diesem Prozess sind nicht nur unsere Mitmenschen beteiligt, sondern in besonders starkem Maße auch die Massenmedien. |
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