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Legenden aus der Großstadt:
Moderne Horror-Mythen auf dem Prüfstand

"Mythologie, die - Gesamtheit des Glaubens eines primitiven Volks, betreffend den eigenen Ursprung, Vorgeschichte, Helden, Götter usw. im Unterschied zu den wahren Berichten, die es später erfindet." (Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch)

Termin: 4. Juni 2004

Referent: Bernd Harder, geb. 1966, Studium der Politikwissenschaft in Saarbrücken. Seit 1993 Redakteur für verschiedene Zeitschriften. Pressesprecher und Vorstandsmitglied der GWUP, Mitglied der Skeptiker-Redaktion und verantwortlicher Redakteur des "Skeptiker-Magazins". Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen im Bereich Jugendliteratur, Esoterik/ Parawissenschaften/ Okkultismus/ Nostradamus u.a.

 

 

Kurze Zusammenfassung des Vortrags

Wanderer und Jogger sind gewarnt: Alljährlich durchstreift der Panter die Wälder der Republik! Polizei und Presse jagen die Wildkatze quer durchs Land. Bestie oder Zeitungsente? Bernd Harder fragte in seinem multimedialen Vortrag "Legenden aus der Großstadt" nach dem Reiz und der Botschaft moderner Wandersagen. Die "Bamberger Skeptiker" hatten den fachkundigen Journalisten und Buchautor zu diesem Thema in die Otto-Friedrich-Universität eingeladen.

"Es war einmal" - so begannen die Geschichten in Großmutters Märchenbuch. Und durch die zeitliche Distanz war klar: Hexe und Wolf sind längst schon tot. Tapfere Recken haben das Böse besiegt: Es gibt nichts mehr zu befürchten. Die Mythen von heute zeichnen ein anderes Bild: "Es passierte dem Freund eines Freundes" heißt hier das Intro. Die Gegenwart wird zur akuten Bedrohung: Das Böse ist immer und überall. So könnte die zentrale Botschaft der Großstadt-Legenden lauten, über die Bernd Harder referierte. Selbst heute noch lauert der Tod in den dunklen Wäldern abseits der Zivilisation. Doch nicht nur die ungezähmte Natur will dem modernen Menschen an die Nieren - Lebensgefahr droht erst recht von den eigenen Artgenossen. Wer kennt nicht die schaurige Geschichte von der Frau, die nach einem Disko-Besuch von Organräubern betäubt und ihrer Innereien entledigt wurde? Oder war doch ein Mann das Opfer?

Details spielen in den urbanen Sagen kaum eine Rolle. Mann oder Frau - wer weiß es genau? Egal, wenn Erzähler und Hörer gleichzeitig der Schauer über den Rücken läuft und sich scheinbar bestätigt, was beide bereits ahnten: Diskotheken sind gefährliche Lasterhöhlen und voll von finsteren Gestalten! Fastfood wie Döner dagegen ist einfach nur ungesund und eklig - vor allem dann, wenn böse Bratspießgesellen heimlich in die Sauce onanieren. Fazit der ebenso widerlichen wie nicht belegten Sperma-Story, die in diversen Online-Foren kursiert: Iss nicht beim Türken, so Bernd Harders Interpretation.

Ein Vortrag zum Schmunzeln, zum Gruseln, zum Würgen. Harder konnte die meisten referierten Großstadtsagen auf großer Leinwand demonstrieren - schließlich ist Hollywood ein dankbarer Verwerter und Verbreiter solcher "Urban Legends": Zwei gleichnamige Kinofilme gibt es inzwischen, beide geizen nicht mit Kunstblut, Schockeffekten und finsteren Soundtracks. "Die modernen Mythen spielen mit unseren Gefühlen", analysierte Harder. "Sie spielen mit unserer Angst vor dem Fremden, dem Unerwarteten im Vertrauten, vor der feindlichen Welt da draußen." Das mache ihren unheimlichen Reiz aus - für den Erzähler wie für den Hörer. Und deshalb wird er auch dieses Jahr wieder durch unsere Medien und Wälder watscheln: der unfassbare Enten-Panter aus dem Sommerloch. (sk)

 

 

Literatur und Links zum Thema


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