
Eine
vermutete Kultstätte unter dem Aspekt
Kurzfassung:
Das Felslabyrinth des "Druidenhain" befindet sich in einem
Fichten- und Buchenwaldstück 550 m südsüdwestlich von Wohlmannsgesees/Lkr.
Forchheim. In diesem am Höhenwanderweg von Streitberg über die Burgruine
Neideck nach Burggaillenreuth gelegenen Naturdenkmal finden sich auf einer Fläche
von 200 x 250 m generell herzynisch streichende Dolomitblöcke mit zum Teil
beträchtlichen Ausmaßen.
Die geometrische Anordnung der Felsblöcke und die zuweilen zu beobachtenden Strudellöcher ließen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Vermutung aufkommen, daß "in heidnischen Zeiten hier Opfer gebracht wurden" (Gemeindeakten von Wohlmannsgesees 1863, zit. in ROGGENKAMP 1986).
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
befaßte sich der Bürgermeister von Wohlmannsgesees, Georg RICHTER,
mit dem Druidenhain und kam nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesen
Felsanordnungen zu dem Schluß, hier eine vorgeschichtliche Kult- und Sonnenbeobachtungsstätte
aufgefunden zu haben. Im Anschluß daran untersuchten MACHALETT (1986)
und ROGGENKAMP (1986) dieses Gebiet. MACHALETT sieht in umfangreichen Teilen
des Druidenhains und Felsgebilden in der weiteren Umgebung Reste von Kultanlagen
der Megalithzeit; bei ROGGENKAMP finden sich, neben einer Beschreibung der --
seiner Ansicht nach -- anthropogen bearbeiteten oder ausgerichteten Felsblöcke,
auch Berechnungen, welche die astronomischen oder geodätischen Zielobjekte
dieses vermuteten
Beobachtungssystems rekonstruieren sollen.
Der Name "Druidenhain" erscheint erstmalig in BRÜCKNER´s Wanderführer "Die fränkische Schweiz und ihr Vorland", 3. Aufl. von 1912, während in den vorausgegangenen Auflagen der "Druidenhain" noch nicht erwähnt wird. In diesem Buch tritt noch der alte Flurname "Esbach" für das Waldstück des heutigen Druidenhains auf; das Felslabyrinth selbst wird jedoch nach Angaben von BRÜCKNER im Volksmund "Druidenhain" genannt.
Ziel
der vorliegenden Arbeit war es, geologisch/tektonische Aspekte der Genese des
Druidenhain-Felslabyrinths zu klären und eventuell anthropogen veränderte
Gesteinspartien herauszufinden. Die Grundlage dieser Arbeiten war die geodätische
Neuvermessung der wichtigsten Partien des Druidenhains durch die Verfasser,
da sich die von RICHTER und MACHALETT erstellte Kartenskizze (in ROGGENKAMP
1986) als zu ungenau erwies.
Die geographische Position des Druidenhains inmitten der bronze-, hallstatt- und latenezeitlichen Geländedenkmäler dieses Raumes läßt die Vermutung einer vorgeschichtlichen kultischen Nutzung dieses Ortes auf den ersten Blick nicht als unbedingt abwegig erscheinen. Hingegen treten neolithische, mit der nordischen Megalithkultur sensu SCHWANTES (1939) in etwa zeitgleiche Zeugnisse in diesem Gebiet eher spärlich auf.
Wohl ab der frühen Hallstattzeit (ca. 750 v. Chr.) ab besiedelten die Kelten unser Gebiet. Die Bauern und Krieger dieses Volkes kultivierten nach fast schon modern anmutenden Methoden das Land und bauten auf den Dolomitkuppen der Alb beeindruckende Höhenfestungen. In der Spätlatènezeit war eine zunehmende Bedrohung der Bevölkerung durch Kriegsereignisse zu verzeichnen. Das Ende der keltischen Besiedlung Oberfrankens erfolgte etwa um die Zeitenwende durch Eroberungen elbgermanischer Stämme. Die Weiterverwendung einiger keltischer Keramikformen und Zierelemente in der Folgezeit sowie das bis in die heutige Zeit festzustellende Weiterleben keltischer und vorkeltischer Fluß- und teilweise Ortsnamen beweisen, daß die verbliebene keltische Restbevölkerung nicht vertrieben oder ausgerottet, sondern allmählich germanisiert wurde; hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der ethnische Unterschied zwischen Kelten und Germanen ohnehin gering war.
Das Gebiet des Druidenhains liegt im Raum der "Nordfränkischen Kuppelalb", welche den Zentralteil des Nördlichen Frankenjuras darstellt. Großtektonisch entspricht der Nördliche Frankenjura in seiner Gesamtheit einer ausgedehnten, flachen, herzynisch streichenden Mulde.
Die Hochfläche der Alb gehört dem
Landschaftstyp des bedeckten Karsts an; petrographisch besteht sie aus Dolomitkuppen
und
dazwischengelagerten,
mit Lehmen und Sanden erfüllten Wannen. Stratigraphisch sind die dolomitisierten
Riff-Gesteine in der Umgebung des Druidenhains etwa in den Malm delta bis epsilon
zu stellen, obwohl bemerkt werden muß, daß einer Dolomitstratigraphie
nur unter großen Vorbehalten begegnet werden darf .
Bereits Ende Malm bis Oberturon entstand ein Karstrelief mit Kesseltälern und Dolinen; hierbei bildete sich ein großer Teil der heute sichtbaren Karsterscheinungen, so die großen Kesseltäler in der Umgebung von Burggaillenreuth. Diese Karstlandschaft wurde vom Oberturon ab mit mächtigen Sand- und Tonsedimenten bedeckt. An der Wende Pliozän/Pleistozän erfolgte eine erneute Freilegung des alten, unterkretazischen Reliefs und weitere Erosion. Die Entstehung der ausgedehnten'Dolomitblockfelder fällt in die Periglazialzeit.
Das Gebiet des Druidenhains liegt am W-Rand der Frankenalbfurche, welche herzynisches Streichen aufweist. Die Frankenalb-Furche dürfte bereits Ende des Mittleren Keuper embryonal vorhanden gewesen sein, sicherlich jedoch während des Oberen Jura. Die herzynisch streichenden Achsen dieses Gebietes wurden im weiteren Bereich von einer flach erzgebirgisch streichenden Querstruktur, dem Ailsbacher Sattel, überlagert; dieser trennt die Hollfelder Mulde im NW von der Veldensteiner Mulde im SE, an deren NW-Rand der Druidenhain liegt. Die Zerklüftung im Frankenjura dürfte bereits im Präcenoman erfolgt sein.
Die Dogger/Malm-Grenze liegt im Gebiet des Druidenhains bei +315 m NN. Generell herrscht ein steilherzynisches Streichen der Schichten vor (ca. 160°) mit sanftem Einfallen von durchschnittlich 0,75° nach NE.
Zur klufttektonischen Untersuchung des Druidenhains
von den Verfassem zunächst eine geodätische Neuaufnahme dieses Gebietes
vorgenommen.
Im hierbei erstellten Plan des Druidenhains wurden auch die bei ROGGENKAMP
(1986) angegebenen, von ihm und anderen Autoren vermuteten Kultsteine und -plätze
mit angeführt. Im Bereich des Druidenhains wurden insgesamt 610 Kluftflächen
aufgenommen sowie in den verschiedenen Felsaufschlüssen der Umgebung weitere
375 Messungen vorgenommen. Die Mehrzahl der Klüfte verläuft parallel
zur herzynisch streichenden Frankenalb-Furche, wobei ausgeprägte Maxima
bei 120° und 135° auftreten. Senkrecht hierzu steht eine Kluftschar
mit etwas weniger deutlich ausgeprägten Maxima bei 21°, 25° und
30°. Überlagert wird dieses Hauptkluftsystem von einem sehr schwach
ausgebildeten zweiten Trennflächensystem mit Streichwerten von 90°
und 175°. Die meist steile Lagerung der Kluftflächen im Druidenhain
kommt deutlich zum Ausdruck. Auch hier können, analog zu den klufttektonischen
Untersuchungen der benachbarten Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth (POLL
1972), paarig entwickelte Kluftscharen beobachtet werden.
Nach der statistischen Auswertung aller im Druidenhain aufgenommenen Kluftdaten lag ein weiteres Bestreben der Berichterstatter im Vergleich zwischen Maximumflächen der angetroffenen Klüfte und den Begrenzungsflächen vermuteten Kultfelsen. Ziel dieser Arbeit war es, hierdurch eventuell anthropogen veränderte Felspartien herauszufinden.
Die Begrenzungsflächen des sogenannten
"Schüsselsteins" folgen erzgebirgisch und herzynisch streichenden Kluftflächen.
Die westliche Fläche dieses Felsquaders mit einem Streichen von 180°
verdankt ihre Genese der zum zweiten Kluftsystem gehörenden, in etwa rheinisch
streichenden Kluftschar.
Einer der auffälligsten Felsrippen im
Druidenhain, der sogenannte "Taufstein" weist an seiner Längsseite ein
Streichen von 145° auf; unterbrochen wird er von Querflächen mit Streichwerten
von 40° bis 45°, wobei hier die Abhängigkeit vom Hauptkluftsystem
besonders deutlich hervortritt. Das in diesem Stein enthaltene sogenannte Sonnwendloch
zeigt als Linear ein Streichen von 60° mit Einfallen von 3° nach NE,
so daß auch hier die Orientierung nach einer erzgebirgisch streichenden
Inhomogenitätsfläche im Gestein zu beobachten ist. Die Begrenzungsflächen
des sogenannten "Winkelsteins" folgen flach- und steil erzgebirgisch streichenden
Kanten; senkrecht hierzu stehen Kluftflächen mit Werten von 130° und
145°.
Als
ein weiteres, sehr auffälliges Felsgebilde präsentiert sich das sogenannte
"Grab": Die aus dem Waldboden hervorstehenden Felsrippen zeigen ein Längsstreichen
von 130° und werden von erzgebirgisch verlaufenden Querflächen unterbrochen.
Der in Form eines Dreieckes ausgebildete Stein am NW-Rand des sogenannten "Grabes"
verdankt seine Entstehung flach- und steilherzynisch sowie erzgebirgisch streichenden
Trennflächen.
Aus dem im Druidenhain festgestellten Kluftsystemen fällt ein Gebilde aus drei senkrecht zueinander stehenden Felsrippen (in Form eines "U") heraus, welches sich 10 m südöstlich des sogenannten "Sternsteines" befindet. Hier wäre - ungeachtet der Ergebnisse der Bohrungen - die Möglichkeit einer anthropogenen Veränderung dieser Gesteinspartien gegeben.
Die Übereinstimmung zwischen Klufttektonik,
Karsterscheinungen und dem regionalen tektonischen Baustil konnte bereits POLL
(1972) für das benachbarte Gebiet um die Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth
nachweisen. Vergleichbare Beziehungen bestehen auch in der Umgebung des
Druidenhains.
Die Kluftmessungen im Druidenhain selbst sowie in den Aufschlüssen der
Umgebung korrelieren gut mit dem großtektonischen Bau, welcher von der
generell herzynisch streichenden Frankenalb-Furche geprägt wird. Das hierzu
gehörige Hauptkluftsystem mit Streichwerten von 120° bis 135° sowie
die senkrecht dazu stehende Schar mit Werten um 30° verdeutlicht die natürliche
Entstehung des sogenannten "Labyrinths" im Druidenhain. Beim zweiten Kluftsystem
(mit Streichwerten von 0° und 90°) deutet POLL (1972) die rheinisch
streichende Kluftschar dieses Systems als 0kl-Flächen in Bezug auf das
übergeordnete System der Frankenalb-Furche. Das Hauptkluftsystem sowie
das dieses überlagernde zweite Trennflächengefüge verursachten
die natürliche Entstehung der sogenannten "Visiersteine", deren sicherlich
auffällige Ausrichtung nach N bzw. NE die Vermutung einer anthropogenen
Ausrichtung dieser Gesteinsblöcke aufkommen ließ.
Aufgrund
der vielen Vermutungen einer anthropogenen Nutzung des Druidenhains wurden Bodenuntersuchungen
durchgeführt. Hierzu erfolgten 30 Handbohrungen von 1 m Teufe an besonders
markanten Stellen, wie dem sogenannten "Taufstein", dem "Sternstein,
dem "Opferstein" und dem "Vermutlichen Thingplatz". Hierbei wurden i.d.R. die
folgenden Bodenbildungen angetroffen: An der Erdoberfläche tritt eine meist
schwarzbraune, lockere Schicht Waldhumus von selten mehr als 10 cm Stärke
auf. Diese Schicht geht meist ohne Übergang in einen hellbraunen, relativ
lockeren , homogenen, fetten Lehm über, in welchem vereinzelt dunkle organische
eingestreut sind. Die Mächfigkeit dieses Horizontes schwankt im Bereich
von wenigen cm bis zu fast einem Meter. Darunter folgt meist eine ca. 10 cm
starke Schicht hellbrauner Lehm mit dunklen, organischen Anteilen; hierunter
folgt oft eine Lage aus dunkelrotbraunen, fetten Lehm. Im Liegenden tritt feinkörnige,
hellockerfarbene Dolomitasche auf, welche schließlich in anstehenden Dolomit
übergeht.
An keiner Stelle im Druidenhain konnten im Boden Hinweise auf menschliche Spuren aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit gefunden werden.
Der Druidenhain fügt sich mit seinem
Kluftsystem zwanglos in das fränkische Kluftsystem ein. Der großtektonische
Bau wird im wesentlichen von der herzynisch streichenden Frankenalb-Furche sowie
hierzu parallel verlaufenden Verwerfungen bestimmt. Überlagert wird das
dadurch entstandene Kluftsystem mit erzgebirgisch und herzynisch verlaufenden
Maximumflächen durch ein zweites, generell N-S und E-W streichendes Trennflächengefüge.
Dieser klufttektonischen Vorzeichnung des Gebirges verdankt das Felslabyrinth
des Druidenhains seine Entstehung.
Bei
der Untersuchung der Felsgebilde des Druidenhains konnten an einigen Stellen,
so an der SW-Seite des Felsens südlich des kleinen Parkplatzes stark verwitterte
Sintervorhänge beobachten werden; die Interpretationsmöglichkeit zumindest
einiger Teilbereiche des Druidenhains als zusammengestürztes ehemaliges
Höhlensystem scheint somit gegeben. Weiterhin ist an eine teilweise Nutzung
dieses Felsenlabyrinths, vor allem in seinen westlichen Randbereichen, als mittelalterlicher
Steinbruch. Die natürlichen Trenngefüge im Gestein könnten hier
die Entnahme von Dolomitquadern ermöglicht haben.
Die erste schriftliche Erwähnung des "Druidenhains" erschien erst bei BRÜCKNER (1912), wobei dieser Autor jedoch angab, daß die Namensgebung im Volksmund bereits seit längerem geläufig ist. Die Fragestellung, ob dies auf romantische Bestrebungen des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgehen mag, oder ob durch Bevölkerungskontinuität bewahrte Erinnerungen über das Felslabyrinth zu dieser Namensgebung geführt haben, läßt sich im Rahmen dieser Arbeit abschließend nicht beantworten.
Zur
Klärung des Namens "Druidenhain" mag vielleicht eine bei SIEGHARDT (1925)
angeführte, geschichtlich allerdings nicht einwandfrei
erwiesene
Episode beitragen: Am 1. Mai 1339 soll der Raubritter Eppelein von Gailingen
(* ca. 1300, + 1381), welcher besonders aufgrund seiner ausdauernden Fehde mit
der ehemaligen Freien Reichstadt Nümberg eine gewisse Berühmtheit
erlangte, zwanzig Freunde zu geheimen Beratungen auf seine Burg in Trainmeusel
eingeladen haben. Hier wollte man einen Bund gegen den aus Italien zurückkehrenden
Kaiser Ludwig den Bayern, welcher gegen die Raubritter vorzugehen beabsichtigte,
gründen. Nach einem ausgiebigen Zechgelage - so berichtet die Sage - begab
sich die Gruppe um Eppelein, darunter auch Dietrich von Wiesenthau und ein Nürnberger
Jude namens Jäcklein, zu Mitternacht in den nahegelegenen Druidenhain,
um sich dort bei Fackelschein durch Treueschwur zu einem "Bund der Zwanzig"
zu vereinen und so gegenüber den Reichsstädten die überlieferten
Rechte zu wahren. Ein Bauer aus Wohlmannsgesees, welcher sich zu dieser Zeit
auf dem Heimweg befand und am Druidenhain vorbeiging, sah dieses gespenstische
Ereignis. Der Bauer soll entsetzt in das Dorf hinunter gelaufen und dort den
erschauernden Einwohnern erzählt haben, daß "die Hexen im Druidenhain
ein nächtliches Bankett abhielten, bei Kinderfleisch und Menschenblut".

Sollte diese Sage in etwa tatsächlich stattgefundenen Ereignissen entsprechen, wäre somit eine mögliche Erklärung des Volksglaubens an eine "mystische Stätte" gegeben; auch die Namensgebung im Sinne eines "Hexenhains" wäre hiermit erklärbar. Das Wort "Drude" wird vom Althochdeutschen über das Spätmittelhochdeutsche und das ältere Neuhochdeutsche stets mit "D" geschrieben und im Sinne von "Hexe, liederliche Frau " empfunden.

Die
Nutzung des heutigen "Druidenhain" als Kultstätte in vorgeschichtlicher
Zeit ist lediglich vom theoretischen Standpunkt aus denkbar, wobei jedoch die
natürliche Genese des Felslabyrinths als bewiesen gelten muß. Die
kultische Nutzung zwar natürlich entstandener, jedoch besonders prägnanter
Geländedenkmäler durch den vorgeschichtlichen Menschen ist gerade
in Süddeutschland durchaus belegt. Die Vorstellung, daß die schamanistisch
geprägte Priesterschaft der keltischen Druiden, eine naturreligiös
orientierte Glaubenskaste mit der Fähigkeit der psychischen Beeinflussung
und Suggestion, diese oder ähnliche Naturdenkmäler als Kulisse ihrer
mythischen Handlungen gebrauchte, scheint zumindest hypothetisch nachvollziehbar.
Noch 452 n. Chr. wurde durch das Concilium von Arles jede Verehrung von Gegenständen,
so von Bäumen und Quellen, untersagt und das Anbeten von Steinen verboten.

Sowohl
herausragende Berggipfel wie erratische Felsblöcke und sonstige imposante
Geländegegebenheiten bildeten seit jeher für die Menschen prägnante
Orientierungs- und Anziehungspunkte. Als Orte von ungewöhnlicher Bedeutung
sind sie geradezu prädestiniert, als Kult- und Opferplätze zu dienen
und somit eine besondere Verehrung zu erfahren (DANNHEIMER & GEBHARD 1993).
In einen solchen Zusammenhang stehen vielleicht die winzigen Scherbenfragmente,
welche auf der Plattform des Rabenfels bei Neuhaus/Krottensee beobachtet wurden.
Eine Überlieferung der Namensgebung, bzw. der Erinnerung an kultische Ereignisse ist -- vom theoretischen Standpunkt -- für den "Druidenhain" durchaus denkbar. So führt REISER (1984) als hervorragendes Beispiel eines offenbar durch Bevölkerungskontinuität bewahrten Wissens die Jungfernhöhle bei Tiefenellern östlich von Bamberg an. Am Vorplatz dieser Schachthöhle fielen -- wahrscheinlich zur Zeit der bandkeramischen Kultur -- mindestens 37 Mädchen und junge Frauen einem barbarischen Ritual, verbunden mit Anthropophagie, zum Opfer. Sämtlichen menschlichen Kiefern waren die Vorderzähne gewaltsam herausgebrochen, den Knochen und Schädeln Mark und Hirn entnommen worden. Die Reste dieser offensichtlichen Kultmahlzeiten wurden zusammen mit dem hierbei benutzen Geschirr in die Schachthöhle geworfen.

Die
von der dort ansässigen Bevölkerung bis zur heutigen Zeit überlieferte
Sage, daß in der Umgebung der Jungfernhöhle einsame Heimkehrer nachts
von kopflosen Jungfrauen belästigt werden (HERRMANN 1980), sowie ähnliche
Legenden, die im Zusammenhang mit dieser Höhle immer von enthaupteten jungen
Frauen erzählen, scheinen neben dem Höhlennamen darauf hinzudeuten,
daß das Wissen um die Geschehnisse in der Höhle über 6000 Jahre
bewahrt wurde (REISER 1984).
Die abschließende Beurteilung des "Druidenhains" im Sinne einer vorgeschichtlichen Kultstätte oder eines erst in jüngerer Zeit entstandenen touristischen Schauplatzes kann nur durch eine umfangreiche Grabung erfolgen. In der Zwischenzeit mögen künftige Spezialstudien weiter zur Klärung dieser Problematik beitragen.
Literaturverzeichnis:
BRÜCKNER, K. (1912): Die Fränkische Schweiz und ihr Vorland. - 3. Aufl.. 254 S.; Wunsiedel (Kohler).
[DANNHEIMER, H. & GEBHARD, R.] (1993): Das keltische Jahrtausend.- 400 S., 216 Abb., 520 Bild., Tab., Kte., Mainz [Ph. v. Zabern).
HERRMANN, F. (1980): Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. - 167 S.; Regensburg (Pustet).
MACHALETT, W. (1986): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees und seine Beziehung zur Megalithkultur des Abendlandes. - in: Druidenhain und Extemsteine bei Wohlmannsgesees (Neuauflage): 3-6; Wohlmannsgesees.
POLL, K.G. (1972): Die Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth und ihre Beziehung zum fränkischen Höhlen- und Kluftsystem. - Erlanger Forsch. (B), 5: 63-76; Erlangen.
REISER, R. (1984): Die Kelten in Bayern. - 192 S.; Rosenheim (Rosenheimer).
ROGGENKAMP, H. (1986): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Krs. Ebermannstadt/Ofr. - in: Druidenhain und Externsteine bei Wohlmannsgeseees (Neuauflage): 7-15; Wohlmannsgesees.
SCHWANTES, G. (1939): Die Vorgeschichte Schleswig-Holsteins (Stein- und Bronzezeit). In: PAULS, V. & SCHEEL, O.: Geschichte Schleswig-Holsteins, 1: 1-589, Neumünster Wachholtz).
SIEGHARDT, A. (1925): Im Bannkreis der Wiesent. - Kultur-, Geschichts- und Landschaftsbilder aus der fränkischen Schweiz, 2: 141 S.; Nürnberg (Koch).