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Der Druidenhain von Wohlmannsgesees: Eine keltische Kultstätte?

von Dipl.-Geol. Michael Link

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Erst zur Vorexkursion
(zum besseren Verständnis dieses Teils empfohlen):

1. Ringwall-Festung von Burggailenreuth

2. Espershöhle bei Leutzdorf

     
3.1 Hier
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um den Baum herum!
Der Baum.
3.2 Hier
geht's rechts
um den Baum herum!
 
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Kultstätten im Test

Wir haben gesehen:

  • In der Vorexkursion: authentische Keltenstätten.
  • Im Druidenhain (linker Pfad): die esoterisch bewegte Interpretation des Druidenhains.
  • Im Druidenhain (rechter Pfad): die wissenschaftlich fundierte Betrachtung des Hains.

Wir dürfen uns daher folgende(n) sieben Fragen stellen:

1. Welche geologischen Besonderheiten sollte man kennen, um einen Ort wie den Druidenhain zu verstehen?

2. Was sagt die Wissenschaft zum Druidenhain?

3. Wie bekommt ein pittoreskes Stück Natur wie der Druidenhain eine derartige "kultische" Interpretation?

4. Kultstätten im Test: Was zeichnet eine echte Kultstätte bzw. einen echten (archäologischen) Platz der Frühgeschichte aus? Wie ist hier der Druidenhain einzustufen?

5. Welche Bedeutung hat der "Druidenhain" für Skeptiker?

6. Wer hat Interesse daran, den Mythos am Leben zu erhalten?

7. Wo finde ich Literatur oder interessante Links?

 

 
Riffdolomite, Karst und Kluftsysteme in der Fränkischen Schweiz

Wir haben auf der Vorexkursion gesehen, dass in diesem Teil der Fränkischen Schweiz (Frankenalb) ein besonderes Karbonatgestein ansteht: der Dolomit. Dieses Gestein entstand aus den Schwammriffen des Jurameeres und ihren Schuttgürteln. Das Gestein ist - anders als die übrigen Kalke im Oberen Jura - nicht durchgehend gebankt, sondern überwiegend als massige Gesteinskörper abgelagert.

Die Fränkische Schweiz ist für ihre Höhlensysteme bekannt. Hier fand (und findet immer noch) ein besonderer Erosionsprozess statt: die Verkarstung. Das Regenwasser dringt in Ritzen und Spalten in den Untergrund ein, löst hierbei das Kalkgestein und erweitert so schmale Klüfte zu richtigen Gängen und Höhlen. Der Großteil der Schauhöhlen in der Fränkischen Schweiz liegt im Dolomit, da sich dieses Gestein besonders gut zur Höhlenbildung eignet.

Die Höhlensysteme im Dolomit bestehen aus Gängen und Hallen, die einem regelmäßigen, annähernd rechtwinkligen Muster folgen. Wie entsteht so etwas?

Einst wurden die Gesteine als Meeressedimente abgelagert, später drückten Gebirgsbildungsprozesse (Tektonik) dieses Meeresbecken zusammen und schoben dadurch die Sedimentgesteine hoch. Wenn ein Gesteinspaket in geologischen Dimensionen unter Druck gerät, verarbeitet es die einengenden Kräfte durch plastische Verformung (Faltengebirge) oder durch Zerbrechen (Bruchtektonik).

Schauen wir uns das mal im Detail an:

 
Tektonische Kräfte wirken auf das Gestein ... Ein Gesteinskörper (man stelle sich hier nicht einen einzelnen Felsen, sondern ein ganzes Gebirge vor) wird durch tektonische Kräfte (z.B. durch zwei aufeinander zuwandernde Kontinentalplatten) eingeengt und dabei unter gerichteten Druck gesetzt.
   
... es zerschert im schrägen Winkel ... Da ein Gebirge nicht einfach ausweichen kann, verarbeitet es den Druck entweder durch Verfaltung oder - wie hier - indem es zerschert. Aus physikalischen Gründen können Scherbahnen im schrägen Winkel zur eigentlichen Druckrichtung die Kräfte am besten ableiten.
   
... zerbricht in ein rechtwinkliges Kluftsystem ... Das Gestein zerlegt sich in eine Vielzahl paralleler Scherbahnen. Diese Brüche werden Klüfte genannt. Es bilden sich parallele Scharen von Klüften, die im Raum aufeinander senkrecht stehen. Eine solche Zerlegung eines Gebirges bezeichnet man als orthogonales (rechtwinkliges) Kluftsystem.
   
... und verwittert entlang der Kluftscharen. Diese Klüfte stellen Schwächezonen im Gestein dar: Die Verwitterung durch einsickerndes Wasser greift bevorzugt entlang der Kluftscharen an.
   

Das Resultat ist ein Gebirge, dessen Gesteine entlang netzartiger Strukturen zerlegt und aufgelöst werden. Wenn wir dies unterirdisch besichtigen, so nennt man das "Höhle": Hier haben die ausgewaschenen Gänge und Hallen Eigennamen, die Pfeiler und Wände dazwischen werden als Wände bezeichnet.

Finden wir solche Strukturen oberirdisch, wird der Begriff "Felsenlabyrinth" verwendet: Hier erfolgt die Bezeichnung einzelner Elemente umgekehrt: Die verbliebenen Pfeiler und Felskörper werden als "Monolithe" bezeichnet, auffällige Einzelfelsen oder Felsengruppen bekommen individuelle Eigennamen, die freien Gänge und Plätze dazwischen üblicherweise nicht.

Vergleichen wir zwei besonders schöne Beispiele für Kluftsysteme im Dolomit der Fränkischen Schweiz: eine Höhle und ein Felsenlabyrinth (zum Vergleichen die Skizzen anklicken und möglichst nebeneinander auf den Bildschirm legen):

 

Links: Lageskizze des Höhlensystems Schönsteinhöhle/ Brunnsteinhöhle aus MEYER & SCHMIDT-KALER (1992), verändert.

Rechts: Skizze des Druidenhains aus KAUL (1999), verändert: Die diversen Peillinien hat Kaul nach den Angaben eines Herrn Seim aus Fronhausen eingezeichnet.

     

Beide Skizzen zeigen Geländestrukturen im Riffdolomit. Die Skizzen haben etwa den gleichen Maßstab, beide sind genordet. Die räumliche Orientierung von Kluftnetzen ist in geologisch homogenen Gebieten mit gleicher Deformationsgeschichte üblicherweise einheitlich entwickelt.

Wir erkennen hier eine Hauptkluftrichtung, die etwa von Nordwest nach Südost verläuft ("streicht" sagt der Geologe), und eine etwas schwächer ausgebildete Kluftschar senkrecht dazu.

Man kann beurteilen, ob ein Felsblock noch im natürlichen geologischen Verband steht, indem man mittels Geologenkompass seine Lage im Raum bestimmt und prüft, ob er sich noch exakt in diesem Kluftnetz befindet. Im Druidenhain wurde eine Vermessung der Felsen von den beiden Geologen Alphons Baier und Thomas Hochsieder (Universität Erlangen) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden 1990 veröffentlicht.

 
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Der Druidenhain und die Wissenschaft

Archäologie

Die Archäologen, die in Oberfranken mit großem Erfolg zahlreiche keltische Befestigungen, Grabhügelfelder und auch Kultplätze ausgegraben haben, schweigen zum Druidenhain. Im Druidenhain wurde nicht einmal eine einzige keltische Scherbe oder irgendein anderes vorneuzeitliches Artefakt gefunden. Das Keltenschwert von Wohlmannsgesees wurde unten im Ort ausgegraben und ist somit nicht dem näheren Umfeld des Haines zuzuordnen. Historische Hinweise auf eine kultische Nutzung in der Keltenzeit fehlen.

Geologie

LANG schreibt 2000 in "Höhlen in Franken":

"Klangvolle Namen, wie 'Grab mit Heilsrunne', 'Opferstein', 'Sternenstein' oder 'Altar' wecken unsere Neugier, das geheimnisvolle Steinlabyrinth zu erforschen. Besonders für Kinder ist es ein großes Vergnügen, durch all die Spalten und Gänge zwischen den meist mannshohen Gesteinsbrocken umherzuschweifen und ständig neue Formen zu entdecken. Erwähnt werden muss allerdings, dass die kultischen oder astronomischen Bedeutungen, die den verschiedenen Steinen zugedacht wurden, wohl der Fantasie ihrer heutigen 'Erforscher' entsprungen sind."

MEYER & SCHMIDT-KALER ("Durch die Fränkische Schweiz", 1992) werden noch deutlicher:

"Südlich von Wohlmannsgesees, wo man sich mit Zwetschgenwasser stärken kann, liegt der altbekannte Druidenhain. Stark geklüftete, dicktafelbankige Dolomite des Weißjura Delta sind zu einer Felsblocklandschaft verwittert, die die Fantasie des Menschen zu abenteuerlichen Vorstellungen anregt. Wieviel Zwetschgenwasser zum Erkennen der Druiden oder ihrer Steinsetzungen nötig ist, muss jeder selbst ausprobieren."

BAIER & HOCHSIEDER legten 1990 mit "Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/ Oberfranken - Eine vermutete Kultstätte unter dem Aspekt klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen" die bisher einzige wissenschaftliche Publikation zum Druidenhain vor. Hier wurde die Lage der Felsblöcke eingemessen und mit der natürlichen Ausrichtung des lokalen Kluftsystems verglichen. Insgesamt wurden 610 Messungen im Druidenhain und 375 Kontrollmessungen in der näheren Umgebung durchgeführt.

Zusätzlich wurden an 30 Stellen des Haines Sondierungen mit dem Bohrstock durchgeführt, um mögliche anthropogene Auffüllungen - die an einem tatsächlich genutzten Kultplatz entstehen würden - nachzuweisen.

Diese wissenschaftlichen Untersuchungen kamen zu folgendem Ergebnis:

  • "Der Druidenhain fügt sich zwanglos in das fränkische Kluftsystem ein. [...] Dieser klufttektonischen Vorzeichnung des Gebirges verdankt das Felsenlabyrinth des Druidenhains seine Entstehung."
  • "Die bodenkundlichen Untersuchungen erbrachten in Hinblick auf vorgeschichtliche Kulturschichten keinerlei Hinweise."
  • "Aus den im Druidenhain festgestellten Kluftsystemen fällt ein Gebilde aus drei senkrecht zueinander stehenden Felsrippen (in Form eines 'U') heraus, welches sich 10 m südöstlich des sogenannten 'Sternsteines' befindet. Hier wäre - ungeachtet der Ergebnisse der Bohrungen - die Möglichkeit einer anthropogenen Veränderung dieser Gesteinspartien gegeben."

Es sei am Rande bemerkt, dass ausgerechnet diese drei Felsen in den esoterischen Interpretationen des Druidenhaines nicht berücksichtigt wurden, anscheinend keinem Rutengänger besonders aufgefallen sind und daher auch keine Eigennamen oder eigene Ausdeutungen haben.

Auch wenn sich diese drei Felsen nicht mehr im ursprünglichen geologischen Verband befinden, belegt dies noch keinen menschlichen Einfluss. Die Blöcke liegen inmitten eines größeren Ganges und könnten z.B. die Reste eines verstürzten Höhlendaches darstellen. Am Rande des Haines finden sich an einigen Felsen korrodierte Sinterbeläge, vermutlich stellt der ganze Druidenhain ein kollabiertes und abgedecktes Höhlensystem ("Höhlenruine") dar.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich weder aus dem archäologischen noch aus dem geologischen Befund Hinweise auf einen keltischen Kultplatz herleiten lassen.

 
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Die Geschichte einer "Kultstätte"

Geologie

Die Geschichte der Felsblöcke im Druidenhain beginnt im Oberjura (vor etwa 150 Millionen Jahren) mit der Ablagerung von kalkigen Meeressedimenten, die in einem speziellen Prozess (Dolomitisierung) zu Dolomitgestein umkristallisieren.

In der Unterkreide (vor ca. 135 bis 100 Millionen Jahren) taucht dieser Meeresboden auf und wird im damaligen feucht-tropischen Klima intensiv verkarstet. Hier werden die Grundstrukturen der Fränkischen Schweiz angelegt: Die Kuppelalb der Dolomitrücken, die Hochebenen der Flächenalb und große Höhlensysteme entstehen.

In der Oberkreide (vor ca. 100 bis 65 Millionen Jahren) wird das Gebiet wieder vom Meer überflutet, die Sedimente dieser Zeit (Sande und Tone) werden später durch Erosion ausgeräumt und sind daher heute nur an wenigen Stellen erhalten.

Im Tertiär (vor ca. 65 bis 1,8 Millionen Jahren) erfolgt die eigentliche Heraushebung der Frankenalb, das ehemalige Meeresbecken wird zum Gebirge, der Fränkischen Schweiz. In dieser Phase erfolgt die stärkste tektonische Beanspruchung des Gebietes und Vulkanismus tritt auf (Basaltgänge). Die tiefgründige Verkarstung des Kalkgebirges schreitet fort und auf der Albhochfläche schleppt ein mächtiger Fluss - der Ur-Main - Gerölle aus dem Frankenwald nach Süden.

Am Ende des Tertiärs beginnt eine Klima-Abkühlung, die in die Eiszeit (Quartär) überleitet. Die Erosionsmuster in der Fränkischen Schweiz ändern sich, tiefe Kerbtäler entstehen, die den Karst tiefgründig entwässern und daher zahlreiche Seitentäler und Höhlensysteme trocken legen. Höhlen kollabieren und bilden Dolinen, Grotten und Höhlenruinen, die in der Eiszeit Tieren und Menschen Zuflucht bieten. An exponierten Stellen legt die Erosion komplexe Höhlen- und Spaltensysteme frei, wie z.B. das Felsenlabyrinth "Druidenhain".

Archäologie

Und die Karriere des Druidenhaines als "Kultstätte"?

In der Steinzeit herrscht Schweigen. Wer sich hier aufhielt, lebt (um es sehr vereinfacht darzustellen) entweder an den Flussterrassen oder in Höhlen. Die im KAUL angedeutete "atlantische Epoche" hat es nie gegeben - weit und breit kein Megalithen-hauender Atlanter in Sicht.

Die Bronzezeit hinterlässt zahlreiche Fundplätze im südlichen Oberfranken - aber nicht eine einzige Scherbe im Druidenhain. Der prachtvolle Schwertfund von Wohlmannsgesees ist in die Urnenfelderzeit datiert, wurde jedoch im Ort selbst und nicht im Hain gemacht.

In der Eisenzeit errichten die Kelten zahlreiche Befestigungen, legen üppige Gräberfelder an und opfern emsig in Kulthöhlen. All dies lässt sich durch archäologische Funde belegen. Im Druidenhain nicht eine Fibel ...

Sowohl die Germanen der römischen Kaiserzeit als auch die Menschen des Frühmittelalters nutzen die gut gewählten Siedlungplätze und Befestigungen der Kelten gerne für eigene Bauten. Der Druidenhain fällt nicht darunter.

Historie

Sagen und Legenden sind oft eine wertvoller Kompass des Geschichtsforschers: Sie führten Schliemann nach Troja und die fränkischen Archäologen in die Jungfernhöhle bei Tiefenellern, wo mindestens 40 Menschen (überwiegend Frauen und Kinder) geopfert wurden. Eine lokal überlieferte Mär von einer Opferstätte wäre also ein wichtiges Indiz.

Die Karriere des Flurstücks Esbach als "Kultstätte" begann tatsächlich erst 1863! In den Gemeindeakten von Wohlmannsgesees findet sich die Vermutung, dass "in heidnischen Zeiten hier Opfer gebracht wurden". Weiter wird von "Courgästen" berichtet, die den Hain besuchen, und von den Namenszuweisungen "Opferhain" oder "Druidenhain" für den Bereich mit den "abgeplatteten Felsstücken" (=Nordwestteil), sowie "Labyrinth" für den Teil, "wo Gänge zwischen den Felsen sich hinwinden" (=Südostteil).

 
"Wo geht's hier raus?!" (Comic: Detlev Lück, 2002).
"Wo geht's hier raus?!" (Comic: Detlev Lück, 2002).
 

BRÜCKNERS Wanderführer 'Die Fränkische Schweiz und ihr Vorland' erwähnt in seiner dritten Auflage 1912 erstmals die Verwendung des Namens "Druidenhain" im Volksmund - in den Auflagen davor taucht diese Ortsbezeichnung noch nicht auf.

SIEGHARDT berichtet 1925 in "Im Bannkreis der Wiesent" von einer Geschichte, nach welcher der lokal bedeutsame Raubritter Eppelein von Gailingen 1339 im Druidenhain seinen Getreuen einen Schwur abgenommen habe soll, allerdings ist der historische Wert dieser Schilderung zweifelhaft.

Die ganze Sache wäre wohl wieder - wie viele andere willkürlich vermutete Kultplätze - im gnädigen Dunkel der Geschichte verschwunden, hätte sich nicht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Georg Richter (Dorfbürgermeister von Wohlmannsgesees) in die Idee verliebt, eine echte Kultstätte vor der Haustür zu haben. So gelangt er nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Felsenlabyrinth zu der Auffassung, hier eine Kult- und Sonnenbeobachtungsstätte entdeckt zu haben.

Richters "Druidenhain" beginnt nach und nach diverse Hobbyforscher anzulocken. 1986 erscheint eine Monographie von MACHALETT (1986) und ROGGENKAMP (1986) über den Hain.

Nach MACHALETT stellen große Teile des Druidenhains und verschiedene Felsen der Umgebung Relikte von Kultanlagen aus der Megalithzeit dar.

ROGGENKAMP hält die Felsblöcke für durch Menschenhand geformt bzw. künstlich ausgerichtet und stellt Berechnungen über die astronomischen oder geographischen Zielpunkte dieses angeblichen Observatoriums an.

Ein zusammenfassendes Werk dieser Interpretationen wird von KAUL publiziert und erreicht 1999 die achte Auflage.

BAIER & HOCHSIEDER veröffentlichen 1990 die bislang einzige Forschungsarbeit zum Druidenhain, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Nach ihren Erkenntnissen sind die Gesteinsformationen durchgehend natürlich entstanden, Hinweise auf eine kultische Nutzung des Areals wurden nicht gefunden.

Übrigens werden auch in der achten Auflage des KAUL (1999) die wissenschaftlichen Ergebnisse von 1990 vollständig ignoriert ...

 
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Kultstätten im Test

Wir haben mit dem Ringwall keltische Anlagen, mit der Espershöhle einen echten Kultplatz gesehen. Auch die Überlieferung von Sagen und Legenden ist ein wertvolles Kriterium.

Wie schneidet nun unser "Druidenhain" im "Kulttest" ab?

 

Kriterien für echte archäologische Stätten:

Der Druidenhain im Test:
+ künstliche Landschaftstrukturen
   (Wälle, Mauern)
- natürliche Felsformationen
+ archäologische Funde - keine Funde
  (Scherben, Skelettreste etc.)
+ historische Hinweise - keine historischen Hinweise
  (Sagen, Volksglauben)

 

Derartige Fehlschüsse bei der Entdeckung "keltischer Kultstätten" sind in unserer Region nicht selten. Beispielsweise wurde der Wurmberg im Harz - ein Gipfel neben dem Brocken - für eine Weile selbst von Fachwissenschaftlern für eine prähistorische Terrassenanlage mit Kultstätte gehalten.

Auch hier fiel in den ersten Grabungen das völlige Fehlen von archäologischen Funden auf: Die geheimnisvollen Steinsetzungen und Terrassen entpuppten sich - wie im Druidenhain - als Verwitterungsphänomen natürlicher Kluftsysteme. Der rechteckige "Kulttempel" im Zentrum erwies sich nach neueren archäologischen Grabungen und historischen Recherchen als die etwa 1825 errichtete Lusthütte eines Försters, der dort verschwiegene Waldfeste abzuhalten pflegte.

Übrigens wurde auch diese "Kultstätte" in neuerer Zeit zur Pilgerstätte esoterisch bewegter Keltenfreunde ... (siehe Literatur und Links).

 
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Druidenfreie Zone oder: Eine Parawissenschaft im Reagenzglas

Klassische Parawissenschaften wie die Astrologie oder das Hellsehen haben eine Jahrtausende alte Tradition mit zahllosen Haupt- und Nebenströmungen. Gerade bei "Geheimwissenschaften" wurden viele Einzelstrukturen der Entwicklung nicht überliefert und erschweren so einen vollständigen Überblick über die Evolution des Glaubenssystems.

Moderne Parawissenschaften sind da leichter zu untersuchen: So kann man die Entwicklung des UFO-Glaubens gut mit der Ausbreitung bestimmter Medien (besonders des Fernsehens) und mit bestimmten Medienereignissen korrelieren.

Interessant ist, wie schnell die tatsächlichen Wurzeln solcher Vorstellungen verdrängt und vergessen werden. So halten wir traditionell mehrere Millionen minderjährige Mitglieder unserer Bevölkerung in dem Glauben, alljährlich von einer Reinkarnation des Bischofs von Myra (Südtürkei) besucht zu werden - dem Nikolaus. Doch wem ist noch bewusst, dass das "traditionelle" Aussehen des Nikolaus sich erst ca. 1925-30 in New York entwickelte und ab 1931 durch eine Anzeigenkampagne der Coca-Cola Company weltweit verbreitet wurde ...?

Der Glaube an die "keltische Kultstätte Druidenhain", an das "Wissenschaftszentrum", das schon in der "atlantischen Epoche" begründet worden sei, ist noch vergleichsweise jung und wenig verbreitet. Hier kann man noch Ross und Reiter nennen und im Detail nachvollziehen, wer wann welches Hirngespinst dem Mythos hinzugefügt hat.

Ebenso lassen sich bereits die ersten "Säuberungswellen" im Mythengebäude erkennen: In den jüngsten Publikationen (im Internet, siehe folgende Kapitel) werden die offensichtlichsten und damit am leichtesten angreifbaren Fehldeutungen ausgeklammert und - dem Geist der Zeit folgend - mehr "spirituelle" Werte des Druidenhain-Mythos herausgestellt.

Im Sinne einer evolutionären Dynamik (unten im Riff-Modell dargestellt) ist der Mythos somit in einem vorläufigen Endstadium angekommen: Die Kernaussagen werden als "erarbeitetes Wissen" weitergegeben, unglaubhafte Seitenströmungen werden unterdrückt, eine weitere Ausschmückung des Mythos findet nur noch im Rahmen der bisherigen Vorgaben statt.

 
  Stufe Protagonisten Stichwort
IV domination Thiel (2000) Einzelartikel
Hübner (ab Ende 20 Jh.) "Nachfolgerung von Georg Richter und Johannes Kaul" (**), Führungen
III diversification Kaul (Ende 20 Jh.) weitere Detaildeutungen, Führungen, zusammenfassende Monographie
Ziegler u.a. (1993) "geomantischer Kreuzungspunkt mit in Europa einmaliger Strahlungsintensität" (*)
Kubiena (?) "Hain vorkeltisch, da noch atlantische Einflüsse feststellbar" (*)
Nay-Scheibler (?) "Hainnutzung schon in der Megalith-Kultur und der atlantischen Epoche" (*)
Seim (1983) "kultisches Benutzungsalter von 37.000 Jahren" (*)
Machalett (1968-86) Vermessung, Ausweitung der Benennungen
Roggenkamp (1968-86) Vermessung, Ausweitung der Benennungen
II colonization Richter (1. Hälfte 20. Jhr.) "vorgeschichtliche Kult- und Sonnenbeobachtungsstätte" (*), erste Benennungen von Monolithen
I stabilization Brückner (1912) Erstpublikation des Begriffs "Druidenhain"
Gemeindeakten Wohlmannsgesees (1863)
"Opfer ... in heidnischen Zeiten", Begriffe "Opferhain", "Druidenhain" und "Labyrinth"
 
(evolutionäres Modell des Druidenhain-Mythos (im Riff-Modell, stark vereinfacht); mit (*) markierte Aussagen nach Angaben der Sekundärliteratur, (**) zitiert nach http://www.maria-huebner.de/, 01.01.2002)
 
Die Geisteswelt der "Kelten-Esoteriker" eignet sich grundsätzlich besonders gut zum Erforschen von Evolutionsmustern in Parawissenschaften, da hier viele mystische Elemente erst in jüngster Zeit dazuerfunden wurden.

Ein anderes prägnantes Beispiel für einen modernen "Kelten"-Mythos ist der "keltische Baumkalender":

"Dies ist der 13-monatige Ogham-Baumkalender nach den Angaben von Robert Graves in seinem Buch 'Die Weiße Göttin'. Im Unterschied zu den Angaben im verbreiteten 'keltischen Baumhoroskop' ist dieser Kalender seriös, was man daran erkennt, dass er keine Bäume enthält, die es auf keltischem Gebiet nicht gibt." (http://home.eplus-online.de/Loki2/Loki/goetter/baumkal.htm, 01.01.2002)

Und eine Susanne Hülß schreibt hierzu

"Kein Volk hat eine so rätsel- und sagenhafte Vergangenheit wie das der Kelten. [...] Merlin aber hat gelebt (man kann sein Grab sogar aufsuchen) und es sei auch Fakt, dass Artus bei ihm in die Lehre gegangen ist. Bei ihm lernte er neben vielen Weisheiten auch die Traditionen des keltischen Baumkalendariums von 'Einem Jahr und einem Tag' kennen und pflegen." (http://www.naether-verlag.de/ml03kelt.htm, 01.01.2002)

Und die schnöde Wahrheit?

Das "keltische Baumhoroskop" wurde in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von der französischen Frauenzeitschrift "Marie Claire" erfunden und landete auf einem Umweg über eine polnische Gartenzeitung als "authentische Überlieferung" in der Vermarktungsmaschinerie der deutschen Esoterik-Szene (siehe Literatur und Links).

Ein echter Kelte würde sich in der Glaubenswelt der Kelten-Esoteriker kaum noch zurechtfinden ...

 
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Wie pflegt man einen "Kultplatz"?

Von großem Interesse für das Weiterleben oder gar Wachsen des Druidenhain-Mythos ist die Frage: Wer pflegt und hegt ihn? Wer hält den "Kultplatz" am Leben, wer kommt - bildlich gesprochen - regelmäßig zum Blumengiessen vorbei und bringt auch mal ein neues Pflänzchen mit? Wem nützt die Behauptung, dass dieses Felsenlabyrinth eine "keltische Kultstätte" sei?

A) Tourismus

Wir haben schon am Text des Eingangsschildes gesehen, wie der Mythos seitens der Tourismus-Organisationen vorsichtig und behutsam am Leben erhalten wird: Man versteigt sich nicht in falsche Tatsachenbehauptungen und lässt gleichzeitig der Phantasie des glaubenswilligen Hain-Pilgers Raum.

Diese defensive Nutzung der touristischen Attraktion "Druidenhain" ist vorbildlich, gerade im Vergleich zu manchen anderen angeblichen und tatsächlichen Kultplätzen oder besonders zu Wallfahrtsorten.

In der Tourist-Information der Gemeinde Muggendorf bekommt der interessierte Wanderer kostenlos einen Lageplan überreicht, der auch über die Homepage der Gemeinde (http://www.muggendorf.de/) abgerufen werden kann.

Der einzige Ausrutscher in der Außendarstellung ist die Broschüre "Fränkische Schweiz Muggendorf-Streitberg". Hier lesen wir über den Druidenhain: "[...] eine alte Kultstätte, die die Phantasie der Besucher anregt."

In Wohlmannsgesees profitiert die Gaststätte Haid vom Druidenhain-Tourismus, weshalb wir Herrn Mück (Bamberg) das trefflichen Bonmot verdanken, der Druidenhain sei "zwar keine heidnische, wohl aber eine haidsche Kultstätte".

B) Ausbau und Pflege des Mythos: J. Kaul

Das Werk "Kleiner Führer durch den Druidenhain bei Wohlmannsgesees" des jüngst verstorbenen Kaul stellt eine Zusammenfassung der Interpretationen des Haines dar. Der Autor selbst hielt über Jahrzehnte Führungen im Hain ab und wurde somit zur zentralen Figur des modernen Mythos. Eine Auswahl der wichtigsten Kernaussagen wurde in der virtuellen Führung durch den Hain dargestellt.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass das Ausmaß an Inkonsistenz, Wirrnis, absurder Deutung und Fehlschlüssen, fachlichem Unwissen und auch an Verschweigen unliebsamer Fakten in diesem Werk weit größer ist, als es hier in der virtuellen Exkursion vorgestellt wurde. Nachdem es aber nicht das Ziel dieses Projektes ist, Einzelpersonen in die Kritik zu nehmen, wurde auf eine Herausarbeitung dieser Mängel weitgehend verzichtet.

Ein Beispiel sei erlaubt: Die wichtigsten Felsblöcke wurden in der neuesten Zeit mit Namen versehen. In den Lageskizzen des Haines sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nur Nummern neben diesen Blöcken eingetragen, die Namen selbst werden in entsprechenden Legenden aufgelistet. Diese Nummerierung folgt keinem geographischen, archäologischen oder geologischen System und repräsentiert somit nur die Vorlieben und Gewichtungen der ersten Kartographen des Felsenlabyrinths.

KAUL schreibt zum "X-Stein":

"Ich bin sicher, dass dieser X-Stein Nr. 16 (1+6=7, also 'Sieg' nach der alten Kabbala) bei der rechten Einstellung nicht nur hilfreich ist, sondern auch heilen kann."

Diese völlig wirre Querdeutung - von einer willkürlichen Zwecknummerierung aus dem letzten Jahrhundert direkt in eine kabbalistische Zahlensymbolik - ist typisch für die Argumentationsweisen und "Beweisführungen" des Gesamtwerks.

C) Kauls Erben: M. Hübner

Der Druidenhain-Mythos wird z.Zt. von Hübner weiter gepflegt, die wie Kaul aus dem Wallfahrtsort Gößweinstein kommt. Hübner ist freie Journalistin und unterhält ein "KreativBüro" mit den Schwerpunkten Journalismus, Veranstaltungen, Design- und Schreib-Service und einem angeschlossenen Verlag (http://www.maria-huebner.de/). Über einen Online-Shop werden u.a. auch zahlreiche Vortragsskripten von Kaul angeboten, aber auch ein "Mandala 'Druidenhain' - (Verbindung mit dem gesamten Hain möglich)".

Zudem sind verschiedene Veranstaltungen im Angebot: Z.B. gibt es ein Wochenend-Seminar "Die spirituelle Frau" mit Kraft- und Energie-Übungen im Druidenhain, daneben werden Begehungen veranstaltet: Die Führungen "bietet die dritte Person der geistigen Führung Maria Hübner an", wofür der Teilnahme-Obulus von DM 10,- moderat erscheint. Ferner wurde 1998 ein Kongress, 2000 eine Tagung und 2001 ein Pfingstfest zum bzw. im Druidenhain veranstaltet.

Hübner stellt sich - anders als Kaul - der tatsächlichen Geschichte des Hain-Mythos und auch den wissenschaftlichen Untersuchungen. So wird im Prospekt zum Kongress 1998 die Historie detailliert dargestellt, auch (allerdings sehr tendenzielle) Verweise auf die geologischen Untersuchungen von Baier und Hochsieder fehlen nicht. In Hübners Link-Liste zum Hain wird an oberster Stelle auf die mythos-kritische Internetseite der Universität Erlangen (Herr Baier) verwiesen. Dieser offene Umgang mit der tatsächlichen Beweislage unterscheidet sich sehr positiv von den Auslegungen à la Kaul, wo alle unliebsamen Fakten sorgfältig verschwiegen wurden.

Insgesamt zeichnet sich hier in der modernen Interpretation des Hains eine deutliche Wandlung in der Rezeption ab: Betont wird seine Bedeutung als "Europas größtes Kraftfeld", also die geomantische Interpretation, und der Wert des Ortes als spiritueller Erfahrungsraum. So wurde die Tagung 2000 mit "Chakraphon"-Symphonien begleitet und zusammen mit einer Seminarleiterin für "Maya-Bewusstsein" veranstaltet.

Die Hainfeste 2001 kreisten um Heilmeditationen, Erdenhüterkristalle, Rituale und Tänze, ebenso standen gemeinsames Sammeln von Johanniskraut und Lesungen der Gedichte von Johannes Kaul auf dem Programm. Die Deklaration des Hains als "Europas größter Megalith-Kraftort" erscheint eher beiläufig. Die früher im Hain-Mythos so herausgestellten Kelten und Atlanter sind aus dem Fokus der Betrachtung verschwunden.

Es erfolgt somit eine Bedeutungsverlagerung von der "wissenschaftlich ignorierten Kultstätte" hin zum landschaftlich besonderen Ort, der Schauplatz und Inspiration für spirituelle Erlebnisse bieten soll.

Übrigens gibt es eine scharfe Konkurenz in der Nutzung eingebildeter Energien: So entnehmen wir einem Artikel zum Kongress 1998 mit dem Titel "Druidenhain neu ankern" (http://www.mariahuebner.de/kongress98seite3.gif, 13.01.2002, Quelle und Erscheinungstag nicht angegeben) folgenden Absatz:

"Johannes Kaul enthielt sich ebenfalls [als Vortragsthema dieses Kongresstages, Anm.] des Druidenhains, der - so war man sich mit kurzen Hinweisen einig - in seiner Erdharmonie gestört ist, mitverursacht durch egoistische schwarze Praktiken."

(Alle Zitate im Unterkapitel C) aus http://www.maria-huebner.de/, 01.01.2002.)

D) Sonstiges

Andere Führungen

Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz bot im Veranstaltungskalender '99 folgende Führung an:

"Auf den Spuren der Druiden im Druidenhain. Führer: Georg Wolf, Kanndorf 4, 91320 Ebermannstadt. Tel. 09194-1618, 3-4 Std., 4 km. Preis: Erw. DM 5,-, Kinder DM 2,50." (http://www.fraenkische-schweiz.com/landleben/veranst99.html)

Ob diese Führung noch gehalten wird und wie sie inhaltlich angelegt war, ist nicht bekannt.

Artikel "Geomantie"

Nicht ohne Anmerkungen soll ein Artikel von R. Thiel zum Druidenhain bleiben, der unter www.geomantie.org (http://www.geomantie.org/archiv/2000_02/seite2.htm, 02.01.2002) erschien. Da heißt es:

"Die geomantische Großraumlinie Paris-Prag führt über viele geomantisch und historisch interessante Plätze. An der Stelle dieser 'Kreuzung' befinden sich einige der markantesten Steine des Hains."

Ohne jetzt über "geomantische Großraumlinien" spekulieren zu wollen: Paris und Prag sind als Weltstädte Flächenobjekte mit mehreren Kilometern Durchmesser. Mit welcher Begründung sind die Punkte definiert, die als Ankerpunkte "Paris" und "Prag" eine Peilung auf einige wenige Felsen zulassen würden? Rein geometrisch ist eine über zwei Großstädte definierte "Großraumlinie" ein derart breiter Streifen, dass eine erheblicher Teil des Wiesenttales darin liegen würde.

"Diese Stelle ist mitten im Walde gelegen, am Fuße eines Berges, des 531 Meter hohen Weisersteins ('Hinweisstein')."

Man kann über Etymologien ja immer trefflich streiten, aber hier sei der Hinweis angebracht, dass der Weisenstein - so heißt der Hügel nämlich richtig - ebenfalls aus Riffdolomit besteht, dessen Farbe hellgrau bis weiß ist.

Geomorphologisch gesehen liegt der Druidenhain auch nicht "am Fuße", sondern bildet selber die Nachbarkuppe (520 m über NN). Wir befinden uns schließlich in einem Riffzug der Kuppelalb!

"Die Felsformation als Ganzes ist natürlichen Ursprungs, die Wissenschaftler gestanden jedoch ein, dass die natürliche Entstehungsgeschichte des Druidenhains nicht einer möglichen kultischen Nutzung widerspricht ..."

Nun weiß jeder gute Wissenschaftler: Ein Beweis der Nichtexistenz (z.B. beweisen, dass es den Pumuckel nicht gibt) ist methodisch nicht möglich. Daraus jedoch ein "Eingestehen" zu drechseln, kann man bestenfalls als Unkenntnis wissenschaftlicher Methodik bezeichnen. Immerhin wird hier der natürliche Ursprung des Druidenhaines zugegeben, was gegenüber den Ausführungen nach Kaul schon ein deutlicher Erkenntnisfortschritt ist. Um so erstaunlicher, dass in den nachfolgenden Darstellungen immer wieder künstliche Bauten behauptet werden:

"Gegenüber dem Grab befindet sich ein kleiner, etwa zwei Meter langer Dolmen, ein überdachter Hohlraum, der aus großen Monolithen errichtet wurde. Der Dachstein liegt etwas schräg auf den tragenden Seitenwänden, wie verkeilt."

"Die beiden Längskanten sind exakt behauen, denn sie geben astronomische Peillinien an, ebenso die gedachte Symmetrieachse in der Mitte."

"Bereits die Anzahl der Blöcke und ihre Anordnung in Reihen kann uns einen Hinweis auf die wahre Bedeutung des Labyrinths geben. Es handelt sich hierbei um einen urzeitlichen Mondkalender. Da der Mond eine Umlaufzeit von rd. 28 Tagen um die Erde hat, also etwas weniger als einen unserer 'Monate', hat ein Mondjahr nicht zwölf, sondern dreizehn Monate, genau wie die Anzahl der Steinreihen im Labyrinth."

 
Bis sich die Steine biegen ... (Comic: Detlev Lück, 2002).
Bis sich die Steine biegen ... (Comic: Detlev Lück, 2002).
 

"Dennoch ist der Druidenhain in der offiziellen Wissenschaft umstritten, weil man in ihm bisher weder menschliche Überreste noch irgendwelche vorgeschichtlichen Gegenstände gefunden hat."

"Umstritten" würde bedeuten, dass je ein Fachwissenschaftler ernsthaft die Möglichkeit erwogen hat, der Hain sei eine keltische Kultstätte. Tatsächlich stammen alle kultischen Deutungen von Hobbyforschern, mystisch bewegten Druidenfans oder Forschern, die sich weit außerhalb ihres Fachgebietes bewegen. Ernsthafte Hinweise oder Indizien wurden bislang nicht gefunden.

"Die Kelten wussten sehr wohl um die Kraft heiliger Orte, und sie hüteten sich, an solchen Orten zu wohnen. Wen wundert es dann, dass ganz in der Nähe des Druidenhaines Überreste keltischer Siedlungen gefunden wurden."

Fast die ganze Fränkische Alb war keltisches Siedlungsgebiet, die Fundstellen im Wiesentgebiet sind gleichmäßig der Geomorphologie folgend verteilt. Besondere Häufungen von Ansiedlungen in "Benutzweite" des Haines oder eine Art "Bannkreis" im "Wirkungsradius" des Platzes sind nicht festzustellen.

"Dies beginnt schon am Eingang, wo sich der Pultstein befindet, ein nach oben zugespitzter Stein, dessen Neigungswinkel 51,5° beträgt, so wie bei der Cheopspyramide in Ägypten."

Jeder Geologiestudent lernt bei der ersten Kartier-Übung recht schnell die großen Probleme kennen, Schichten oder Kluftflächen auf angewitterten Oberflächen halbwegs exakt und reproduzierbar einzumessen. Abgesehen davon, dass auch hier Hinweise auf eine künstliche Bearbeitung oder Ausrichtung fehlen, beruht diese Präzisionsmessung auf Wunschdenken.

"Unter dem 'Grab' sollen sich zwei unterirdische Gänge treffen. Es heißt, die Erde klinge dort hohl."

Und da hat noch keiner nachgegraben? Bei einem hohl klingenden Untergrund sollte man mit drei Spatenstichen im Hohlraum sein. Welch wenig Aufwand, um diese mystischen Gänge selber in Augenschein zu nehmen! Die Sondierungen durch BAIER & HOCHSIEDER fanden übrigens auch beim Grab keine Hohlräume. Nur ein Stück Alufolie.

"Es wird angenommen, dass die kultische Nutzung des Druidenhains weit über die Zeit der Kelten hinaus bis in die Altsteinzeit reicht, der Geomantieforscher Peter Seim kam durch sein Lichtmesssystem auf ein kultisches Alter des Druidenhains von etwa 37.000 Jahren."

Die Peilungen des Herrn Seim postulieren (Skizzen in KAUL, S. 50 und 51) eine Veränderung der Nordrichtung in diesen 37.000 Jahren durch Rotation o.ä. um knapp 9 Grad. - Wenn man (sehr großzügig!) eine durchschnittliche Kontinentaldriftgeschwindigkeit von 5 cm/Jahr annimmt, hätte sich der Druidenhain (Europa) in diesen 37.000 Jahren um ca. 1,85 km weiterbewegt. Um mit diesem Tempo ein Winkeländerung der Nordrichtung von 9 Grad zu erreichen, müsste sich die Fränkische Schweiz mit dem Druidenhain (die Erde ist bekanntlich eine Kugel!) in der Arktis, wenige Kilometer unterhalb des Nordpols befinden ...

Zum "X-Stein" lesen wir:

"Dieser Stein hat die wohl stärkste energetische Ausstrahlung des gesamten Druidenhains. Sie kann von sensiblen Radiästheten noch in großer Entfernung gemutet werden."

Das sollte bedeutet, wenn man einem "sensiblen Radiästheten" die Augen verbindet, ihn ein paar Kilometer weiterfährt, ihn einige Male um die eigene Achse dreht und ihn dann muten lässt, kann er die Richtung zum Hain zeigen? Die Bamberger Skeptiker bitten "sensible Radiästheten" sich zu melden: Für derartige Leistungen ist nach wie vor von der James Randi Educational Foundation (JREF) eine Prämie von einer Million US-Dollar ausgelobt, bei deren Inanspruchnahme wir gerne mithelfen!

"Der Druidenhain ist beispielhaft dafür, wie sich menschliche Kultur ausbreiten konnte, ohne die natürlichen Energieflüsse der Landschaft zu verändern und damit aus dem Gleichgewicht zu bringen."

Diese Indianer-Romantik entspricht nicht dem archäologischen Forschungsstand über die Kultur der Kelten! Und weiter:

"Dass unsere heutige Wissenschaft sich schwertut, den Hain überhaupt als vorzeitliche Kultstätte anzuerkennen, beweist nur, wie weit wir uns alle bereits von diesem Denken entfernt haben."

Hier stimmen wir dem Autor vorbehaltlos zu! Dass "unsere heutige Wissenschaft" ein Stück Natur als das begreifen kann, was es ist - nämlich ein Stück Natur - ist tatsächlich eine weit zurückgelegte Wegstrecke des Denkens. Weg vom Glauben an die rachsüchtigen Geister der Verstorbenen, an Zwerge und Kobolde, an Götter, die von der Wolke herab mit ihrem magischen Hammer Blitze schleudern und an Hexen mit dem bösen Blick.

 
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Literatur und Links

Der Druidenhain ist eine Sehenswürdigkeit von eher lokaler Bedeutung. Daher ist die Masse der relevanten Literaturhinweise bescheiden:

Literatur

Archäologie

  • ABELS, B.-U. (1986): Archäologischer Führer Oberfranken; Stuttgart.

    Ein handliches Kompendium: Nach einem kurzen Abriss der Geologie folgt ein historischer Überblick von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter. Die Beschreibung der archäologischen Stätten ist durch die Gliederung nach Gemeinden etwas unübersichtlich - wer die Espershöhle sucht, muss schon wissen, dass diese unter Gößweinstein eingeordnet ist. Dafür wird der Leser durch zahlreiche präzise Skizzen der Flächendenkmäler entschädigt!

  • BOCKISCH-BRÄUER, CH. & ZEITLER, J.P. (1996): Kulthöhlen. Funde - Deutungen - Fakten. Katalog zur Ausstellung der Naturhistorischen Gesellschaft e. V., Abteilung für Vorgeschichte, Dezember 1996 - August 1997; Nürnberg.

    Gute Übersichtsarbeit zum Einstieg in die Thematik: Verschiedene Kulthöhlen (Jungfernhöhle, Höhlen der Externsteine, Espershöhle u.a.) werden als Beispiele vorgestellt, neben einem Überblick über Forschungsgeschichte und historisch bekannte Höhlennutzungen, Mythen und Sagen werden die für Kulthöhlen typischen archäologischen Fundarten erläutert.

  • MÜHLDORFER, B. (2002): Kulthöhlen. Funde - Deutungen - Fakten. Beiträge des Symposiums vom 7. Dezember 1996. Naturhistorische Gesellschaft e. V., Abteilung für Vorgeschichte; Nürnberg.

    Der lange erwartete Fortsetzungsband zum Katalog von 1996 enthält Forschungsberichte zu den Höhlen Lichtensteinhöhle (Osterode/Harz), Espershöhle, Kleines Bauernloch und Jungfernhöhle (jeweils Nördliche Frankenalb), eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand zu den vorschichtlichen "Kultschächten" sowie ein Artikel zum Interpretationstopos "Kult und Höhle".

Die beiden Bände zu "Kulthöhlen" können direkt bei der NHG Nürnberg bezogen werden:

Naturhistorisches Museum
Marientorgraben 8
D-90402 Nürnberg
Fon: (+49)-(0)911-227970
Fax: (+49)-(0)911-2447441
Email: info@nhg-nuernberg.de

Geologie

  • MEYER, R.K.F. & SCHMIDT-KALER, H. (1992): Wanderungen in die Erdgeschichte: Durch die Fränkische Schweiz; München.

    Ein höchst empfehlenswertes Werk, das dem Leser die Geologie als Wanderabenteuer (Exkursionsvorschläge) nahebringt. Es ist auch für den Laien gut lesbar und für den Fachmann ohnehin Pflicht!

  • LANG, S. (2000): Höhlen in Franken. Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz; Nürnberg.

    Ein recht neues Büchlein: Kurz, knapp und trotzdem umfassend, mit einer Einleitung zu Karst und Höhlengeologie. Interessant sind viele Rahmeninformationen, z.B. dass die Espershöhle zwischen Oktober und April nicht betreten werden darf, da sie ein Winterquartier für Fledermäuse ist.

  • BAIER, A. & HOCHSIEDER, Th. (1990): Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees/Oberfranken - Eine vermutete Kultstätte unter dem Aspekt klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen. - Geologische Blätter von Nordostbayern; Erlangen.

    Das definitive Werk zum Druidenhain! Der Artikel wurde in einer geologischen Fachzeitschrift veröffentlicht und ist daher im Buchhandel nur über Bestellung bzw. über das Geologische Institut der Universität Erlangen zu besorgen (Geol. Bl. NO-Bayern 40, 1-2: 35-72, Erlangen 1990). Herr Baier stellte freundlicherweise eine sehr ausführliche Zusammenfassung ins Netz (siehe Literatur und Links).

Esoterische Schriften

  • KAUL, J. (1999): Kleiner Führer durch den Druidenhain bei Wohlmannsgesees; Hersbruck.

Eine ausführliche Beschreibung des Haines aus einer Vorstellungswelt, die den Druidenhain für eine echte Kultstätte hält. Wer sich mit den esoterischen Interpretationen zum Hain beschäftigen möchte, findet hier einen vollständigen Überblick. Ärgerlich ist, dass die historische Entwicklung des Druidenhain-Mythos und auch die früheren Schriften zum Hain unauffällig ausgeklammert wurden.

Die Monographie ist im Gasthaus von Wohlmannsgesees, in der Tourist-Information in Muggendorf und - preisgünstiger - bei Palm & Enke in Erlangen zu besorgen. Oder direkt beim Cicero Verlag: Karl-Bröger-Str. 7., 91257 Pegnitz.

Bei allem gebührenden Respekt für die Mühe, die sich Kaul mit dieser Monographie gemacht hat, sollte man doch einen Hinweis nicht vergessen: Das Heft ist für leichtgläubige Menschen nicht geeignet!

Links

Geologie

Tourismus

Presse-Artikel

"Esoterische" Seiten zum Druidenhain

Der Wurmberg/Harz

Keltischer Baumkalender

 
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