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| Bamberger Skeptiker » Projekte » Druidenhain |
ProjekteDer Druidenhain von Wohlmannsgesees: Eine keltische Kultstätte?Wenn Sie hier landen, sollten Sie bereits alle drei vorherigen Exkursionsteile
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| Kultstätten im Test Wir haben gesehen:
Wir dürfen uns daher folgende(n) sieben Fragen stellen:
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Ein Gesteinskörper (man stelle sich hier nicht einen einzelnen Felsen, sondern ein ganzes Gebirge vor) wird durch tektonische Kräfte (z.B. durch zwei aufeinander zuwandernde Kontinentalplatten) eingeengt und dabei unter gerichteten Druck gesetzt. |
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Da ein Gebirge nicht einfach ausweichen kann, verarbeitet es den Druck entweder durch Verfaltung oder - wie hier - indem es zerschert. Aus physikalischen Gründen können Scherbahnen im schrägen Winkel zur eigentlichen Druckrichtung die Kräfte am besten ableiten. |
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Das Gestein zerlegt sich in eine Vielzahl paralleler Scherbahnen. Diese Brüche werden Klüfte genannt. Es bilden sich parallele Scharen von Klüften, die im Raum aufeinander senkrecht stehen. Eine solche Zerlegung eines Gebirges bezeichnet man als orthogonales (rechtwinkliges) Kluftsystem. |
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Diese Klüfte stellen Schwächezonen im Gestein dar: Die Verwitterung durch einsickerndes Wasser greift bevorzugt entlang der Kluftscharen an. |
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Das Resultat ist ein Gebirge, dessen Gesteine entlang netzartiger Strukturen zerlegt und aufgelöst werden. Wenn wir dies unterirdisch besichtigen, so nennt man das "Höhle": Hier haben die ausgewaschenen Gänge und Hallen Eigennamen, die Pfeiler und Wände dazwischen werden als Wände bezeichnet. Finden wir solche Strukturen oberirdisch, wird der Begriff "Felsenlabyrinth" verwendet: Hier erfolgt die Bezeichnung einzelner Elemente umgekehrt: Die verbliebenen Pfeiler und Felskörper werden als "Monolithe" bezeichnet, auffällige Einzelfelsen oder Felsengruppen bekommen individuelle Eigennamen, die freien Gänge und Plätze dazwischen üblicherweise nicht. Vergleichen wir zwei besonders schöne Beispiele für Kluftsysteme im Dolomit der Fränkischen Schweiz: eine Höhle und ein Felsenlabyrinth (zum Vergleichen die Skizzen anklicken und möglichst nebeneinander auf den Bildschirm legen): |
| Beide Skizzen zeigen Geländestrukturen im Riffdolomit. Die Skizzen haben etwa den gleichen Maßstab, beide sind genordet. Die räumliche Orientierung von Kluftnetzen ist in geologisch homogenen Gebieten mit gleicher Deformationsgeschichte üblicherweise einheitlich entwickelt. Wir erkennen hier eine Hauptkluftrichtung, die etwa von Nordwest nach Südost verläuft ("streicht" sagt der Geologe), und eine etwas schwächer ausgebildete Kluftschar senkrecht dazu. Man kann beurteilen, ob ein Felsblock noch im natürlichen geologischen Verband steht, indem man mittels Geologenkompass seine Lage im Raum bestimmt und prüft, ob er sich noch exakt in diesem Kluftnetz befindet. Im Druidenhain wurde eine Vermessung der Felsen von den beiden Geologen Alphons Baier und Thomas Hochsieder (Universität Erlangen) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden 1990 veröffentlicht. |
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Wir haben mit dem Ringwall keltische Anlagen, mit der Espershöhle einen echten Kultplatz gesehen. Auch die Überlieferung von Sagen und Legenden ist ein wertvolles Kriterium. Wie schneidet nun unser "Druidenhain" im "Kulttest" ab? |
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Kriterien für echte archäologische Stätten: |
Der Druidenhain im Test: |
| + künstliche Landschaftstrukturen (Wälle, Mauern) |
- natürliche Felsformationen |
| + archäologische Funde | - keine Funde (Scherben, Skelettreste etc.) |
| + historische Hinweise | - keine historischen Hinweise (Sagen, Volksglauben) |
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Derartige Fehlschüsse bei der Entdeckung "keltischer Kultstätten" sind in unserer Region nicht selten. Beispielsweise wurde der Wurmberg im Harz - ein Gipfel neben dem Brocken - für eine Weile selbst von Fachwissenschaftlern für eine prähistorische Terrassenanlage mit Kultstätte gehalten. Auch hier fiel in den ersten Grabungen das völlige Fehlen von archäologischen Funden auf: Die geheimnisvollen Steinsetzungen und Terrassen entpuppten sich - wie im Druidenhain - als Verwitterungsphänomen natürlicher Kluftsysteme. Der rechteckige "Kulttempel" im Zentrum erwies sich nach neueren archäologischen Grabungen und historischen Recherchen als die etwa 1825 errichtete Lusthütte eines Försters, der dort verschwiegene Waldfeste abzuhalten pflegte. Übrigens wurde auch diese "Kultstätte" in neuerer Zeit zur Pilgerstätte esoterisch bewegter Keltenfreunde ... (siehe Literatur und Links). |
| Stufe | Protagonisten | Stichwort | |
| IV | domination | Thiel (2000) | Einzelartikel |
| Hübner (ab Ende 20 Jh.) | "Nachfolgerung von Georg Richter und Johannes Kaul" (**), Führungen | ||
| III | diversification | Kaul (Ende 20 Jh.) | weitere Detaildeutungen, Führungen, zusammenfassende Monographie |
| Ziegler u.a. (1993) | "geomantischer Kreuzungspunkt mit in Europa einmaliger Strahlungsintensität" (*) | ||
| Kubiena (?) | "Hain vorkeltisch, da noch atlantische Einflüsse feststellbar" (*) | ||
| Nay-Scheibler (?) | "Hainnutzung schon in der Megalith-Kultur und der atlantischen Epoche" (*) | ||
| Seim (1983) | "kultisches Benutzungsalter von 37.000 Jahren" (*) | ||
| Machalett (1968-86) | Vermessung, Ausweitung der Benennungen | ||
| Roggenkamp (1968-86) | Vermessung, Ausweitung der Benennungen | ||
| II | colonization | Richter (1. Hälfte 20. Jhr.) | "vorgeschichtliche Kult- und Sonnenbeobachtungsstätte" (*), erste Benennungen von Monolithen |
| I | stabilization | Brückner (1912) | Erstpublikation des Begriffs "Druidenhain" |
| Gemeindeakten Wohlmannsgesees (1863) |
"Opfer ... in heidnischen Zeiten", Begriffe "Opferhain", "Druidenhain" und "Labyrinth" |
| (evolutionäres Modell des Druidenhain-Mythos (im Riff-Modell, stark vereinfacht); mit (*) markierte Aussagen nach Angaben der Sekundärliteratur, (**) zitiert nach http://www.maria-huebner.de/, 01.01.2002) |
| Die Geisteswelt der "Kelten-Esoteriker" eignet sich grundsätzlich
besonders gut zum Erforschen von Evolutionsmustern in Parawissenschaften,
da hier viele mystische Elemente erst in jüngster Zeit dazuerfunden
wurden.
Ein anderes prägnantes Beispiel für einen modernen "Kelten"-Mythos ist der "keltische Baumkalender":
Und eine Susanne Hülß schreibt hierzu
Und die schnöde Wahrheit? Das "keltische Baumhoroskop" wurde in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von der französischen Frauenzeitschrift "Marie Claire" erfunden und landete auf einem Umweg über eine polnische Gartenzeitung als "authentische Überlieferung" in der Vermarktungsmaschinerie der deutschen Esoterik-Szene (siehe Literatur und Links). Ein echter Kelte würde sich in der Glaubenswelt der Kelten-Esoteriker kaum noch zurechtfinden ... |
Wie pflegt man einen "Kultplatz"? Von großem Interesse für das Weiterleben oder gar Wachsen des Druidenhain-Mythos ist die Frage: Wer pflegt und hegt ihn? Wer hält den "Kultplatz" am Leben, wer kommt - bildlich gesprochen - regelmäßig zum Blumengiessen vorbei und bringt auch mal ein neues Pflänzchen mit? Wem nützt die Behauptung, dass dieses Felsenlabyrinth eine "keltische Kultstätte" sei? A) Tourismus Wir haben schon am Text des Eingangsschildes gesehen, wie der Mythos seitens der Tourismus-Organisationen vorsichtig und behutsam am Leben erhalten wird: Man versteigt sich nicht in falsche Tatsachenbehauptungen und lässt gleichzeitig der Phantasie des glaubenswilligen Hain-Pilgers Raum. Diese defensive Nutzung der touristischen Attraktion "Druidenhain" ist vorbildlich, gerade im Vergleich zu manchen anderen angeblichen und tatsächlichen Kultplätzen oder besonders zu Wallfahrtsorten. In der Tourist-Information der Gemeinde Muggendorf bekommt der interessierte Wanderer kostenlos einen Lageplan überreicht, der auch über die Homepage der Gemeinde (http://www.muggendorf.de/) abgerufen werden kann. Der einzige Ausrutscher in der Außendarstellung ist die Broschüre "Fränkische Schweiz Muggendorf-Streitberg". Hier lesen wir über den Druidenhain: "[...] eine alte Kultstätte, die die Phantasie der Besucher anregt." In Wohlmannsgesees profitiert die Gaststätte Haid vom Druidenhain-Tourismus, weshalb wir Herrn Mück (Bamberg) das trefflichen Bonmot verdanken, der Druidenhain sei "zwar keine heidnische, wohl aber eine haidsche Kultstätte". B) Ausbau und Pflege des Mythos: J. Kaul Das Werk "Kleiner Führer durch den Druidenhain bei Wohlmannsgesees" des jüngst verstorbenen Kaul stellt eine Zusammenfassung der Interpretationen des Haines dar. Der Autor selbst hielt über Jahrzehnte Führungen im Hain ab und wurde somit zur zentralen Figur des modernen Mythos. Eine Auswahl der wichtigsten Kernaussagen wurde in der virtuellen Führung durch den Hain dargestellt. Ehrlicherweise muss man sagen, dass das Ausmaß an Inkonsistenz, Wirrnis, absurder Deutung und Fehlschlüssen, fachlichem Unwissen und auch an Verschweigen unliebsamer Fakten in diesem Werk weit größer ist, als es hier in der virtuellen Exkursion vorgestellt wurde. Nachdem es aber nicht das Ziel dieses Projektes ist, Einzelpersonen in die Kritik zu nehmen, wurde auf eine Herausarbeitung dieser Mängel weitgehend verzichtet. Ein Beispiel sei erlaubt: Die wichtigsten Felsblöcke wurden in der neuesten Zeit mit Namen versehen. In den Lageskizzen des Haines sind aus Gründen der Übersichtlichkeit nur Nummern neben diesen Blöcken eingetragen, die Namen selbst werden in entsprechenden Legenden aufgelistet. Diese Nummerierung folgt keinem geographischen, archäologischen oder geologischen System und repräsentiert somit nur die Vorlieben und Gewichtungen der ersten Kartographen des Felsenlabyrinths. KAUL schreibt zum "X-Stein":
Diese völlig wirre Querdeutung - von einer willkürlichen Zwecknummerierung aus dem letzten Jahrhundert direkt in eine kabbalistische Zahlensymbolik - ist typisch für die Argumentationsweisen und "Beweisführungen" des Gesamtwerks. C) Kauls Erben: M. Hübner Der Druidenhain-Mythos wird z.Zt. von Hübner weiter gepflegt, die wie Kaul aus dem Wallfahrtsort Gößweinstein kommt. Hübner ist freie Journalistin und unterhält ein "KreativBüro" mit den Schwerpunkten Journalismus, Veranstaltungen, Design- und Schreib-Service und einem angeschlossenen Verlag (http://www.maria-huebner.de/). Über einen Online-Shop werden u.a. auch zahlreiche Vortragsskripten von Kaul angeboten, aber auch ein "Mandala 'Druidenhain' - (Verbindung mit dem gesamten Hain möglich)". Zudem sind verschiedene Veranstaltungen im Angebot: Z.B. gibt es ein Wochenend-Seminar "Die spirituelle Frau" mit Kraft- und Energie-Übungen im Druidenhain, daneben werden Begehungen veranstaltet: Die Führungen "bietet die dritte Person der geistigen Führung Maria Hübner an", wofür der Teilnahme-Obulus von DM 10,- moderat erscheint. Ferner wurde 1998 ein Kongress, 2000 eine Tagung und 2001 ein Pfingstfest zum bzw. im Druidenhain veranstaltet. Hübner stellt sich - anders als Kaul - der tatsächlichen Geschichte des Hain-Mythos und auch den wissenschaftlichen Untersuchungen. So wird im Prospekt zum Kongress 1998 die Historie detailliert dargestellt, auch (allerdings sehr tendenzielle) Verweise auf die geologischen Untersuchungen von Baier und Hochsieder fehlen nicht. In Hübners Link-Liste zum Hain wird an oberster Stelle auf die mythos-kritische Internetseite der Universität Erlangen (Herr Baier) verwiesen. Dieser offene Umgang mit der tatsächlichen Beweislage unterscheidet sich sehr positiv von den Auslegungen à la Kaul, wo alle unliebsamen Fakten sorgfältig verschwiegen wurden. Insgesamt zeichnet sich hier in der modernen Interpretation des Hains eine deutliche Wandlung in der Rezeption ab: Betont wird seine Bedeutung als "Europas größtes Kraftfeld", also die geomantische Interpretation, und der Wert des Ortes als spiritueller Erfahrungsraum. So wurde die Tagung 2000 mit "Chakraphon"-Symphonien begleitet und zusammen mit einer Seminarleiterin für "Maya-Bewusstsein" veranstaltet. Die Hainfeste 2001 kreisten um Heilmeditationen, Erdenhüterkristalle, Rituale und Tänze, ebenso standen gemeinsames Sammeln von Johanniskraut und Lesungen der Gedichte von Johannes Kaul auf dem Programm. Die Deklaration des Hains als "Europas größter Megalith-Kraftort" erscheint eher beiläufig. Die früher im Hain-Mythos so herausgestellten Kelten und Atlanter sind aus dem Fokus der Betrachtung verschwunden. Es erfolgt somit eine Bedeutungsverlagerung von der "wissenschaftlich ignorierten Kultstätte" hin zum landschaftlich besonderen Ort, der Schauplatz und Inspiration für spirituelle Erlebnisse bieten soll. Übrigens gibt es eine scharfe Konkurenz in der Nutzung eingebildeter Energien: So entnehmen wir einem Artikel zum Kongress 1998 mit dem Titel "Druidenhain neu ankern" (http://www.mariahuebner.de/kongress98seite3.gif, 13.01.2002, Quelle und Erscheinungstag nicht angegeben) folgenden Absatz:
(Alle Zitate im Unterkapitel C) aus http://www.maria-huebner.de/, 01.01.2002.) Andere Führungen Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz bot im Veranstaltungskalender '99 folgende Führung an: "Auf den Spuren der Druiden im Druidenhain. Führer: Georg Wolf, Kanndorf 4, 91320 Ebermannstadt. Tel. 09194-1618, 3-4 Std., 4 km. Preis: Erw. DM 5,-, Kinder DM 2,50." (http://www.fraenkische-schweiz.com/landleben/veranst99.html) Ob diese Führung noch gehalten wird und wie sie inhaltlich angelegt war, ist nicht bekannt. Artikel "Geomantie" Nicht ohne Anmerkungen soll ein Artikel von R. Thiel zum Druidenhain bleiben, der unter www.geomantie.org (http://www.geomantie.org/archiv/2000_02/seite2.htm, 02.01.2002) erschien. Da heißt es:
Ohne jetzt über "geomantische Großraumlinien" spekulieren zu wollen: Paris und Prag sind als Weltstädte Flächenobjekte mit mehreren Kilometern Durchmesser. Mit welcher Begründung sind die Punkte definiert, die als Ankerpunkte "Paris" und "Prag" eine Peilung auf einige wenige Felsen zulassen würden? Rein geometrisch ist eine über zwei Großstädte definierte "Großraumlinie" ein derart breiter Streifen, dass eine erheblicher Teil des Wiesenttales darin liegen würde.
Man kann über Etymologien ja immer trefflich streiten, aber hier sei der Hinweis angebracht, dass der Weisenstein - so heißt der Hügel nämlich richtig - ebenfalls aus Riffdolomit besteht, dessen Farbe hellgrau bis weiß ist. Geomorphologisch gesehen liegt der Druidenhain auch nicht "am Fuße", sondern bildet selber die Nachbarkuppe (520 m über NN). Wir befinden uns schließlich in einem Riffzug der Kuppelalb!
Nun weiß jeder gute Wissenschaftler: Ein Beweis der Nichtexistenz (z.B. beweisen, dass es den Pumuckel nicht gibt) ist methodisch nicht möglich. Daraus jedoch ein "Eingestehen" zu drechseln, kann man bestenfalls als Unkenntnis wissenschaftlicher Methodik bezeichnen. Immerhin wird hier der natürliche Ursprung des Druidenhaines zugegeben, was gegenüber den Ausführungen nach Kaul schon ein deutlicher Erkenntnisfortschritt ist. Um so erstaunlicher, dass in den nachfolgenden Darstellungen immer wieder künstliche Bauten behauptet werden:
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Bis sich die Steine biegen ... (Comic: Detlev Lück,
2002). |
"Umstritten" würde bedeuten, dass je ein Fachwissenschaftler ernsthaft die Möglichkeit erwogen hat, der Hain sei eine keltische Kultstätte. Tatsächlich stammen alle kultischen Deutungen von Hobbyforschern, mystisch bewegten Druidenfans oder Forschern, die sich weit außerhalb ihres Fachgebietes bewegen. Ernsthafte Hinweise oder Indizien wurden bislang nicht gefunden.
Fast die ganze Fränkische Alb war keltisches Siedlungsgebiet, die Fundstellen im Wiesentgebiet sind gleichmäßig der Geomorphologie folgend verteilt. Besondere Häufungen von Ansiedlungen in "Benutzweite" des Haines oder eine Art "Bannkreis" im "Wirkungsradius" des Platzes sind nicht festzustellen.
Jeder Geologiestudent lernt bei der ersten Kartier-Übung recht schnell die großen Probleme kennen, Schichten oder Kluftflächen auf angewitterten Oberflächen halbwegs exakt und reproduzierbar einzumessen. Abgesehen davon, dass auch hier Hinweise auf eine künstliche Bearbeitung oder Ausrichtung fehlen, beruht diese Präzisionsmessung auf Wunschdenken.
Und da hat noch keiner nachgegraben? Bei einem hohl klingenden Untergrund sollte man mit drei Spatenstichen im Hohlraum sein. Welch wenig Aufwand, um diese mystischen Gänge selber in Augenschein zu nehmen! Die Sondierungen durch BAIER & HOCHSIEDER fanden übrigens auch beim Grab keine Hohlräume. Nur ein Stück Alufolie.
Die Peilungen des Herrn Seim postulieren (Skizzen in KAUL, S. 50 und 51) eine Veränderung der Nordrichtung in diesen 37.000 Jahren durch Rotation o.ä. um knapp 9 Grad. - Wenn man (sehr großzügig!) eine durchschnittliche Kontinentaldriftgeschwindigkeit von 5 cm/Jahr annimmt, hätte sich der Druidenhain (Europa) in diesen 37.000 Jahren um ca. 1,85 km weiterbewegt. Um mit diesem Tempo ein Winkeländerung der Nordrichtung von 9 Grad zu erreichen, müsste sich die Fränkische Schweiz mit dem Druidenhain (die Erde ist bekanntlich eine Kugel!) in der Arktis, wenige Kilometer unterhalb des Nordpols befinden ... Zum "X-Stein" lesen wir:
Das sollte bedeutet, wenn man einem "sensiblen Radiästheten" die Augen verbindet, ihn ein paar Kilometer weiterfährt, ihn einige Male um die eigene Achse dreht und ihn dann muten lässt, kann er die Richtung zum Hain zeigen? Die Bamberger Skeptiker bitten "sensible Radiästheten" sich zu melden: Für derartige Leistungen ist nach wie vor von der James Randi Educational Foundation (JREF) eine Prämie von einer Million US-Dollar ausgelobt, bei deren Inanspruchnahme wir gerne mithelfen!
Diese Indianer-Romantik entspricht nicht dem archäologischen Forschungsstand über die Kultur der Kelten! Und weiter:
Hier stimmen wir dem Autor vorbehaltlos zu! Dass "unsere heutige Wissenschaft" ein Stück Natur als das begreifen kann, was es ist - nämlich ein Stück Natur - ist tatsächlich eine weit zurückgelegte Wegstrecke des Denkens. Weg vom Glauben an die rachsüchtigen Geister der Verstorbenen, an Zwerge und Kobolde, an Götter, die von der Wolke herab mit ihrem magischen Hammer Blitze schleudern und an Hexen mit dem bösen Blick. |
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Der Druidenhain ist eine Sehenswürdigkeit von eher lokaler Bedeutung. Daher ist die Masse der relevanten Literaturhinweise bescheiden: Literatur Archäologie
Die beiden Bände zu "Kulthöhlen" können direkt bei der NHG Nürnberg bezogen werden:
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